Französisches Kino:Der König von Paris

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Omar Sy trat in diesem Jahr beim Theaterfestival in Avignon auf und las aus "Frère d'âme", eine Geschichte über senegalesische Soldaten im Ersten Weltkrieg. (Foto: Nicolas Tucat/AFP)

Selbstironisch, strahlend schön, mit einer klaren Haltung: Omar Sy hat sich souverän als internationaler Schauspieler durchgesetzt und zeigt, wie sehr sich Frankreich verändert hat.

Von Nadia Pantel

Als Omar Sy 2011 mit "Ziemlich beste Freunde" der internationale Durchbruch gelang, vernichtete der New Yorker den Film auf elf Zeilen. Die Kritik schloss mit dem Satz: "Der gesamte Film ist eine Peinlichkeit." Es war einer dieser Momente, in denen das liberale Amerika auf Frankreich schaute, als lebe man dort in einer unbeleuchteten Grotte. Der Graben zwischen beiden Ländern tut sich immer dann auf, wenn es um Rassismus geht. Auf der einen Seite die USA, die Hautfarbe und Herkunft ihrer Bürger genau erfassen, in der Hoffnung, so gegen Diskriminierung zu kämpfen. Auf der anderen Seite Frankreich, das an seinem Selbstbild als farbenblinde Nation der Aufklärung festhält. Und dann aber doch einen Film macht wie "Ziemlich beste Freunde", der ähnlich naiv an rassistische Vorurteile herangeht wie Afrikareisende auf Safari. Sy spielt Driss (arm, schwarz, kriminelle Familie, immer gut drauf) der einem weißen, reichen Mann im Rollstuhl die Lebensfreude zurückgibt. Frei nach dem Motto: Sie haben nichts, aber sie sind immer fröhlich. Oder, wie es der New Yorker schreibt: "Der Film schaut mit dieser eigenartigen französischen Gefühlsduselei auf Wildnis und Zivilisation, die auf Rousseau zurückgeht, und ist grauenhaft herablassend."

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