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Schauspieler Omar Sharif:"Ich bin für alle nur Dr. Schiwago"

Das Wüstenepos "Lawrence von Arabien" machte Omar Sharif auf einen Schlag zum Weltstar. Noch bekannter wurde er durch die Verkörperung des Doktor Schiwago − seine berühmteste Rolle. Rückblick auf das Leben des Ägypters.

Martina Pock

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SHARIF

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Als echter Araber im Einsatz für Hollywood: Das Wüstenepos "Lawrence von Arabien" machte Omar Sharif auf einen Schlag zum Weltstar. Noch bekannter wurde er durch die Verkörperung des Doktor Schiwago eine Rolle, die er nie wieder los wurde. Rückblick auf das Leben des Ägypters, der ein Faible für Kartenspiele und Pferderennen hatte.

Geboren wurde Omar Sharif am 10. April 1932 als Sohn libanesicher Eltern in Alexandria, Ägypten. Er studierte Mathematik und Physik in Kairo und arbeitete nebenbei in der väterlichen Holzhandlung. Der Schauspieler beschrieb seinen Vater als "nicht besonders reichen Mann", der aber "doch ein bisschen was an Geld verdiente". Vor der Ägyptischen Revolution 1952 war König Farouk oft Gast im Haus seiner Eltern.

Im Alter von 21 Jahren konvertierte Michel Dimitri Schaloub, wie er damals noch hieß, vom Christentum zum Islam und nahm den Namen Omar El-Sharif an. Im selben Jahr startete er seine Schauspielkarriere in der ägyptischen Produktion Siraa Fil-Wadi (Tödliche Rache).

"Lawrence von Arabien"

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Sein erste Rolle in einem englischsprachigen Film hatte Sharif im Wüstenepos Lawrence von Arabien. Der 1962 gedrehte Film von Regisseur David Lean ist angelehnt an die autobiographischen Kriegsberichte Die sieben Säulen der Weisheit von Thomas Edward Lawrence, einem britischen Archäologen, Geheimagenten und Schriftsteller, der am Aufstand der Araber gegen das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg beteiligt war.

Sharif spielt Sherif Ali (links), der den Aufstand anzettelt und dabei von den Briten unterstützt wird. Lawrence wird von Peter O'Toole dargestellt. Das 218 Minuten lange Epos machte beide Schauspieler zu Weltstars und wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet, unter anderem für den besten Film. Peter O'Toole und Omar Sharif, die als bester Hauptdarsteller und für die beste männliche Nebenrolle nominiert waren, gingen allerdings beide leer aus.

Doktor Schiwago

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1965 war Omar Sharif erneut in einer Produktion von David Lean zu sehen, diesmal übernahm er die Hauptrolle im Drama Doktor Schiwago, nach der gleichnamigen Romanvorlage von Boris Pasternak.

Vor dem Hintergrund der Russischen Revolution 1917 erzählt der Film von Dr. Jurij Schiwago, einem jungen russischen Arzt, der sich zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen fühlt. Der Film ist hochkarätig besetzt, neben Julie Christie, Alec Guinness, Klaus Kinski und Rod Steiger ist auch Geraldine Chaplin, die Tochter von Charlie Chaplin, zu sehen. Sharifs Sohn Tarek verkörpert die Rolle seines Vaters als Kind.

Der Film wurde mit fünf Oscar ausgezeichnet, doch Sharif ging bei den Academy Awards erneut leer aus. Allerdings erhielt er seinen ersten und einzigen "Golden Globe" für eine Hauptrolle, nachdem ihm die Auszeichnung für seine Nebenrolle in Lawrence von Arabien bereits verliehen worden war.

Trotz zahlreicher weiterer Filmrollen Sharifs blieb in erster Linie die des Dr. Schiwago im Gedächtnis des Publikums haften - zum Leidwesen des Schauspielers: "Ich bin für alle Welt nur Dr. Schiwago".

FUNNY LADY

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In Funny Girl übernahm Omar Sharif 1968 wieder die Hauptrolle in einer Liebesgeschichte, dieses Mal an der Seite von Barbra Streisand. Die biographische Geschichte über die jüdische Komödiantin Fanny Brice ist eine Musical-Verfilmung und wurde für acht Oscars nominiert. Streisand wurde für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet. Aufgrund des großen Erfolges von Funny Girl wurde 1975 mit Funny Lady eine Fortsetzung gedreht, erneut mit Sharif und Streisand in den Hauptrollen.

In Ägypten löste der Film, oder vielmehr ein Filmkuss zwischen Sharif und Streisand - einem Muslim und einer Jüdin - einen Tumult aus. In seiner Heimat wurde sogar gefordert, ihm die ägyptische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Den beiden Schauspielern wurde auch privat eine Affäre nachgesagt.

Der Schauspieler selbst war von 1955 bis 1965 mit der populären ägyptischen Schauspielerin Fatan Hamama verheiratet. Nach der Scheidung hat Sharif nicht wieder geheiratet. Der Ehe mit Hamama enstammt der gemeinsame Sohn Tarek.

Die Steppenreiter

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In Der Steppenreiter spielte Sharif 1971 den Sohn eines afghanischen Stammesfürsten, der die Ehre seiner Familie zu retten versucht.

In den Jahren danach wirkte der Schauspieler immer wieder in internationalen Produktionen mit. Unter anderem 1967 als Attentäter in der Komödie Inspektor Clouseau, der beste Mann bei Interpol oder 1986 in Rebell der Wüste an der Seite von Leinwand-Legende Ava Gardner.

KATHARINA DIE GROßE

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In dem deutschen Fernsehfilm Katharina die Große übernahm Sharif 1995 die Rolle des alternden Lieberhabers Razumovsky an der Seite von Catherine Zeta-Jones in der Hauptrolle. Den Zar Peter (hier bei der Hochzeit der Herrscherin) verkörperte damals Hannes Jaenicke.

Themendienst Kino: 'Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran'

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Spätes Comeback: 2003 brillierte Sharif in der französischen Produktion Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, dafür wurde er 2004 mit dem Goldenen César als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Der Film nach der Romanvorlage von Éric-Emmanuel Schmitt erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Monsieur Ibrahim, einem alten muslimischen Ladenbesitzer, und dem jüdischen Jungen Moses (Pierre Boulanger).

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Anfeindungen musste sich Omar Sharif für seine Rolle des Petrus in dem amerikanischen Fernsehfilm Die zehn Gebote aus dem Jahr 2006 gefallen lassen. Vom Terror-Netzwerk al-Qaida wurde der Schauspieler sogar mit dem Leben bedroht. In den Augen der Fundamentalisten war die Rolle für einen Muslim ungeeignet.

Egyptian international movie star Omar Sharif speaks during a news conference in Cairo

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Der Schauspieler ließ sich aber nicht einschüchtern. Er habe keine Angst und werde sein Leben in gewohnter Weise weiterführen, sagte er.

Omar Sharif ist für seine kritische Einstellung gegenüber Religionen bekannt. In einem Interview mit der Zeitung The Daily News Egypt 2008 sagte er: "Warum sollte Gott in seiner großen Güte jemanden auf die Welt kommen lassen, der einmal nicht in das Paradies kommen kann - das ist absurd."

BRIDGE-SPIELER OMAR SHARIF

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Als Schauspieler erlangte Omar Sharif Weltruhm − weniger bekannt ist, dass er auch professioneller Bridge-Spieler war. Als mehrfacher Teilnehmer von Team-Olympiaden schrieb er jahrelang in der Chicago Tribune über Bridge, laut Sharif "das einzige intelligente Kartenspiel". In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gab er 2003 bekannt, dass er sich vom aktiven Turniersport zurückgezogen haben.

Neben dem Kartenspiel hegt Sharif auch eine Leidenschaft für Pferderennen. Er selbst besitzt mehrere Rennpferde.

Actor Omar Sharif attends a charity auction held by the Federation Fund in Moscow

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In seinen letzten Jahren sorgte Omar Sharif wegen seines Engagements im "Arabischen Frühling" für Schlagzeilen. Er war einer der ersten Prominenten in Ägypten, der öffentlich den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak forderte, obwohl er einst einer der größten Befürworter des jahrzehntelangen Machthabers seines Heimatlandes war.

In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit äußerte sich Sharif sehr gelassen über seine Zukunft: "Was interessieren mich diese Salafisten? Wenn ich zwanzig Jahre alt wäre, dann würde ich mir Sorgen machen. Aber ich bin alt. Ich werde bald sterben. Ich warte einfach auf das, was passiert".

2015 verstarb der Ägypter in Kairo.

© Süddeutsche.de/maop/pak/infu
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