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Olympia-Wahrzeichen:Die Posaune der Spiele

In London wurde das Wahrzeichen fürs Olympia-Jahr 2012 vorgestellt. Die gigantische Orbit-Konstruktion von Anish Kapoor soll an den Turm zu Babel erinnern.

Um zum Wahrzeichen zu werden, braucht jedes Gebäude einen Spitznamen. Sich dessen wohl bewusst, schlug Londons Bürgermeister Boris Johnson für das neue Londoner Olympia-Projekt gleich mehrere vor, darunter "Koloss von Stratford", "Mutantenposaune" oder einfach "Hubble Bubble". Der korrekte, weitaus sperrigere Name der Konstruktion, die Johnson vorstellte, lautet "ArcelorMittal Orbit".

Vom rührigen indisch-britischen Turnerpreisträger Anish Kapoor in Zusammenarbeit mit dem Architekten Cecil Balmond entworfen, soll der "Orbit" zu Beginn der Olympischen Spiele 2012 vollendet sein. Dann wird er auf dem Vorplatz des Olympia-Stadions im Londoner Osten zu stehen kommen.

Gedacht ist er als weithin sichtbares Zentrum der Spiele. Mit einer Höhe von 115 Metern wird Kapoors Objekt den Glockenturm des britischen Parlaments um 19 Meter überragen. Es wird aus 1000 Tonnen Stahl bestehen und umgerechnet 21,5 Millionen Euro kosten.

18 Millionen davon - sowie das Rohmaterial - spendet der indische Stahl-Magnat (und fünftreichste Mann der Welt) Lakshmi Mittal, der Johnsons Präsentation am vergangenen Mittwoch stolz beiwohnte.

Weniger klar als Maße und Budget ist die Funktion des "Orbit". Obwohl er eine zweistöckige Aussichtsplattform, ein Restaurant und einen Ausstellungsraum bieten wird, herrscht bisher keine Einigkeit darüber, ob es sich dabei um einen Turm oder doch eher um eine überdimensionale Skulptur handelt.

In ihrem unteren Teil mündet die Konstruktion in einen riesigen roten Trichter, der stark an "Marsyas" erinnert, Kapoors spektakuläre Tate-Modern-Installation von 2002. Weiter oben winden sich verschiedene Stahlstränge umeinander wie in einer Extrem-Achterbahn. Anish Kapoor selbst sagt, er wolle Assoziationen mit dem Turm zu Babel wecken.

Für Boris Johnson ist die Bedeutung des neuen Wahrzeichens völlig klar: "Manche werden uns für verrückt erklären, weil wir mitten in einer Rezession das größte öffentliche Kunstwerk Großbritanniens in Auftrag geben", so der Bürgermeister. "Aber der Olympiapark brauchte einfach etwas, das die Neugier und Bewunderung der Besucher anspricht."

Die ersten Reaktionen auf den Entwurf fallen gemischt aus. Während der Kritiker des Evening Standard den "Sci-Fi Look" des "Orbit" begrüßt, findet Daily Mail-Autor Paul Harris, er sehe aus wie das Ergebnis einer "katastrophalen Kollision zweier Kräne auf der Olympia-Baustelle".

© SZ vom 03.04.2010/liv
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