Frauenkirche in Dresden

Als Vorbild könnte hier womöglich Dresden dienen. Bereits mehr als 40 Jahre lang lagen die Trümmer der Frauenkirche herum, als die Stadt zu debattieren anfing, was damit geschehen soll. Manche, wie der damalige Senator Günther Behnisch, wollten den Trümmerberg als Mahnmal an den Zweiten Weltkrieg bewahren. Vor allem ältere Menschen wünschten sich das Herz Dresdens zurück und forderten, die Kirche wieder aufzubauen. Man entschied sich für eine "archäologische Rekonstruktion", wie es Thomas Gottschlich nennt. Man wollte den Zustand nicht von 1945, sondern von der ursprünglichen Barockkirche wiederherstellen. Der Architekt betreute im Team um Eberhard Burger den Wiederaufbau der Frauenkirche und erinnert sich der SZ gegenüber an das Dilemma, wie viel man alt lässt und wie viel Modernes man hinzufügt. Alles entscheidend ist Gottschlich zufolge, ein gemeinsames Ziel zu identifizieren - und dieses Vorhaben bis ins kleinste Detail durchzuexerzieren. Allein diese Entscheidungsfindung dauerte in Dresden sieben Jahre. Frankreichs Präsident Macron setzte die Rekonstruktion von Notre-Dame auf fünf Jahre an. Auch wenn der Brand von Notre-Dame nach bisherigem Sachstand nicht politisch motiviert gewesen war, sei es zu überlegen, inwieweit man den Brand thematisiere, um zu zeigen, dass die wiederaufgebaute Kathedrale eben nicht die ursprüngliche ist, so Gottschlich.

Bild: dpa 18. April 2019, 11:202019-04-18 11:20:58 © SZ.de/biaz