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Nobelpreisträger vs. Mafia:Das geht uns alle an

Weil er die verbrecherischen Strukturen der Mafia in seinem Roman "Gomorrha" öffentlich macht und dafür bedroht wird, solidarisieren sich nun Nobelpreisträger mit dem Autor Roberto Saviano.

Zur Unterstützung des neapolitanischen Autors Roberto Saviano, dessen Leben von der Camorra bedroht wird, hat eine Reihe von Nobelpreisträgern in der römischen Tageszeitung la Repubblica einen Aufruf veröffentlicht.

Bedroht: Roberto Saviano.

(Foto: Foto: ap)

In dem bislang von Dario Fo, Günter Grass, Orhan Pamuk, Rita Levi Montalcini, Michail Gorbatschow und Desmond Tutu unterzeichneten Text heißt es, dass die Drohungen gegen Saviano "uns alle angehen".

Weil er die verbrecherischen Strukturen der neapolitanischen Mafia in dem Roman "Gomorrha" öffentlich gemacht habe und weiter darüber schreibe und rede, solle er zum Schweigen gebracht werden. Das sei ein Problem der Demokratie. Mit der Unterschrift unter den Aufruf wolle man persönlich für die Freiheit und Sicherheit von Saviano einstehen. Außerdem wird an die Verantwortung des Staates appelliert, weil es nicht tolerierbar sei, "dass alles das in Europa und im Jahr 2008 passieren kann."

Im Land gehen außerdem die Solidaritätsaktionen weiter. Öffentliche Lesungen von "Gomorrah" (die italienische Originalausgabe ist im Mondadori-Verlag erschienen, der zur Berlusconi-Gruppe gehört) werden unter anderem in Mailand, Genua oder Rom veranstaltet. Die Kultursendung "Fahrenheit" des dritten Radiokanals der RAI, die vor zehn Tagen in einem Interview mit Roberto Saviano die neuerliche Morddrohung der Camorra bekannt gemacht hatte, überträgt täglich einen Lesestafette von anrufenden Hörern zur integralen Lesung des Buches.

Solidaritätsadressen sind auch im Zusammenhang mit der Theateradaption von "Gomorrha" in einer Inszenierung des neapolitanischen Theaters Mercandante veröffentlich worden, die zurzeit in Mailand (Teatro Leonardo) gastiert und am 14. November zu einer Sonderaufführung in der Volksbühne nach Berlin kommen soll.