Wer in den Achtzigern ferngesehen hat, erinnert sich vielleicht an das Video zu Michael Jacksons "Liberian Girl". Darin treten massenhaft Stars der damaligen Zeit auf, John Travolta und Olivia Newton-John, David Copperfield, Whoopi Goldberg, Rosanna Arquette, Dan Aykroyd, Paula Abdul, Steven Spielberg, die Auswahl ist schillernd willkürlich. Die Handlung: Man hängt gelangweilt auf einem Filmset herum und fragt sich, ob Michael Jackson noch auftaucht. Ganz zuletzt tut er das: sitzt auf einem Kamerakran und lacht sich einen. Bisschen albern das Ganze, aber so waren die Achtziger.
Was sie außerdem waren, und dafür mag dieser Song als exemplarisch gelten: rätselhaft. Michael Jackson hat irgendwann einmal gesagt, "Liberian Girl" sei ihm zu Hause beim Flippern eingefallen und sollte ursprünglich "Pyramid Girl" heißen. Klingt eher nach einer jungen Ägypterin, warum entschied er sich dann doch für ein andere Nationalität? Im Song hört man eingangs eine Frauenstimme etwas wispern, und zwar in einer Sprache, die nicht Englisch ist. Die Worte, versehentlich für immer in meinem Langzeitgedächtnis gespeichert, klingen so: nakapena pier, nakataka pier, pends away. In Wahrheit sagt sie laut Google-Recherche: Naku Penda pia, Naku Taka pia, Mpenziwe. Und das bedeutet offenbar: Ich liebe dich auch, ich will dich auch, meine Liebe. Sie sagt das allerdings nicht, wie man ja nun meinen würde, in einer Sprache, die in Liberia gebräuchlich ist, sondern auf Suaheli, was in Liberia nicht gesprochen wird. Und die Frau, die man da wispern hört, spricht in echt gar kein Suaheli. Es ist die südafrikanische Sängerin Letta Mbulu, die damals von Michael Jacksons Produzenten Quincy Jones gefragt wurde, ob sie zu "Liberian Girl" etwas auf Suaheli beitragen könne, warum auch immer, woraufhin sie jemanden aus Kenia bat, ihr etwas zu diktieren. Das Ganze ist, als hätte Michael Jackson einen Song über eine junge Griechin geschrieben, und am Anfang würde eine Französin irgendwas auf Schwedisch flüstern. Es ist doch unglaublich, was wir alles schon mitgemacht und abgenickt haben in unserem Leben.

