Kolumne "Nichts Neues":Was wurde eigentlich aus Männern wie Cary Grant?

Kolumne "Nichts Neues": Gut drin, unbeschreiblich gut auszusehen und gleichzeitig so zu wirken, als täte er das nicht: Cary Grant, hier in "Bringing Up Baby" mit Katharine Hepburn und Leopard Baby.

Gut drin, unbeschreiblich gut auszusehen und gleichzeitig so zu wirken, als täte er das nicht: Cary Grant, hier in "Bringing Up Baby" mit Katharine Hepburn und Leopard Baby.

(Foto: imago/Cinema Publishers Collecti)

Über eine Eleganz unter Schauspielern, die es heute nicht mehr gibt.

Von Johanna Adorján

Ganz selten mal gibt es Filme, die im Deutschen einen besseren Titel haben als im Original. "Wenn die Gondeln Trauer tragen" zum Beispiel war eine fragwürdige und sehr mutige Entscheidung, aber inzwischen muss man sagen, sie hat sich ausgezahlt. Im Original heißt der Film "Don't Look Now", na ja. Oder "Leoparden küsst man nicht" für "Bringing Up Baby". Baby, muss man vielleicht erklären, ist in diesem Film der Name eines Leopards. Insofern ist der Titel nicht völlig abwegig, auch wenn Küssen natürlich etwas anderes ist als Großziehen.

Cary Grant spielt in dieser Komödie aus dem Jahr 1938 die männliche Hauptrolle, den schusseligen Paläontologen Dr. David Huxley, Katharine Hepburn spielt seinen weiblichen Gegenpart, eine stürmische Frau namens Susan Vance, die genauso schusselig ist wie er, aber mehr mit den Füßen auf dem Boden, während er eher mit dem Kopf in den Wolken hängt. Es ist eine Liebesgeschichte. Das Genre: Screwball Comedy. Alles ist ständig in Bewegung. Dialoge werden teilweise übereinander gesprochen, weil alle sich dauernd ins Wort fallen, kaum jemand bewegt sich je in Schritttempo, es wird grundsätzlich gerannt. Das ist großartig. Am großartigsten aber ist Cary Grant, der das Kunststück hinbekommt, unbeschreiblich gut auszusehen und gleichzeitig so zu wirken, als täte er das nicht. Wie macht er das?

Verleihung des AFI-Preises an George Clooney

Knüpft noch am ehesten an die Eleganz früherer Filmstars an, allerdings sehr bewusst: George Clooney.

(Foto: Chris Pizzello)

Heutzutage wissen es Schauspieler, wenn sie gut aussehen. George Clooney etwa, der noch am ehesten an die Eleganz früherer Filmstars anknüpft, was möglicherweise nur an seinem Breite-Leinwand-Kinn liegt, hat immer ein Zwinkern im Gesicht, um sein gutes Aussehen zu ironisieren, was bezaubernd ist, aber eben schon bewusst. Cary Grant jedoch spielt, als wäre er höchstens normal aussehend. Als hätte ihm noch niemals jemand gesagt, dass er ziemlich attraktiv ist. Oder als habe er es vielleicht mal gehört und dann aber wieder vergessen. Es interessiert ihn nicht. Er stolpert durch diesen Film, der um ihn herum spielt - Susan Vance möchte ihn für sich erobern, das ist die Handlung - und man ist hin und weg und voller Bedauern, dass es solche Männer heute nicht mehr gibt. Aber früher vielleicht auch nur einen einzigen.

© SZ/hert
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