Glosse zum KryptohypeWelt zu Geld

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Auch als NFT zu haben: Lady Gaga als toter Marat.
Auch als NFT zu haben: Lady Gaga als toter Marat.
Screenshot Video/Robert Wilson

Nächste Woche soll der Quellcode des World Wide Web als NFT versteigert werden. Was kommt als Nächstes? Die Magna Charta? Das Grundgesetz?

Von Andrian Kreye

SZ bei Google bevorzugen

Kommende Woche kann man bei Sotheby's den Quellcode des World Wide Web ersteigern. Was einen Kollegen auf die grandiose Idee brachte, man könne ja zusammenlegen, den Code kaufen und das Web dann abstellen.

Nun wird der Erwerb des Codes das bürgerliche Budget weit übersteigen. Tim Berners-Lee, der das WWW-Protokoll am Cern in Genf programmierte, wird den Code in ein NFT verwandeln. Das ist eines dieser Echtheitszertifikate mit Blockchain-Verschlüsselung, die in alle Ewigkeit klonbare Dateien in Privatbesitz verwandeln. Seither bezahlen alle in der sogenannten Kryptoszene für so etwas große Summen.

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Rekordhalter ist bisher der Grafiker Beeple mit rund 69 Millionen Dollar für einen Haufen eher pubertärer Computerbilder. Twitterchef Jack Dorsey verkaufte den ersten Tweet aller Zeiten für fast drei Millionen Dollar. Auch ernsthafte Menschen wollen mitmachen. Einen Tag nach dem Quellcode wird kommenden Donnerstag beim Auktionshaus Phillips ein NFT des Bühnenregisseurs Robert Wilson versteigert. Dabei handelt es sich um ein kurzes Video, in dem Lady Gaga Jacques-Louis Davids Gemälde "Der Tod des Marat" nachstellt. Das stammt aus einer Serie von vier Videoporträts, die Wilson 2013 mit Lady Gaga für den Louvre drehte.

Aber der Quellcode des World Wide Web?! Was kommt als Nächstes? Wird die Magna Charta verkauft, das Grundgesetz, die Genfer Konventionen? Das Web war immerhin der demokratische Traum eines Internets für alle. Vielleicht ist das aber auch alles nur einer dieser Bubenstreiche von Tesla-Chef Elon Musk. Der mischt viel in dieser Blockchain-Szene mit, die das Verschlüsselungsverfahren als Weltrevolution verkauft. Er bringt Kryptowährungen mit Tweets zum Absturz und hat angeblich sehr viel Geld mit solchen Spekulationen gemacht. Vielleicht taucht er ja demnächst in einer Comedy-Sendung auf, wie vor einigen Wochen, als er bei Saturday Night Live verkündete, die von ihm bejubelte Kryptowährung Dogecoin sei nur Abzocke. Vielleicht enthüllt er dann, dass die Abkürzung NFT gar nicht für "Non Fungible Token" steht, was Informatiker behaupten, sondern für "No Fucking Tesla", was man in dem Fall mit "Legt euch nicht mit mir an" übersetzen würde.

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