bedeckt München
vgwortpixel

Umstrittene Kunst:Schlimmer Finger

Überdimensionale Arm-Statue in New York sorgt für Diskussion

Ein Zeichen des IS? Seit Samstag steht im New Yorker Stadtteil Brooklyn die fast sieben Meter hohe, umstrittene Skulptur "Unity" des Künstlers Hank Willis Thomas.

(Foto: Christina Horsten/dpa)
  • Das Denkmal "Unity" des Künstlers Hank Willis Thomas im New Yorker Stadtteil Brooklyn stößt auf große Skepsis.
  • Bei "Unity" handelt es sich um einen fast sieben Meter langen Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger.
  • Die Kritik entzündet sich daran, dass eben nicht nur E.T. und Michelangelo mit der Geste des ausgestreckten Zeigefingers assoziiert werden, sondern auch der IS.

Der knuddelige Alien E. T. hat es getan und, nach seinen Statuen zu urteilen, auch der römische Kaiser Augustus. Der Hip-Hop kennt die Geste des ausgestreckten Zeigefingers und die Sixtinische Kapelle, wo Michelangelo die Finger von Gott und Adam zusammenführt. Aber eben auch: der IS. Als der vor Kurzem getötete IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi einst den "Islamischen Staat" ausgerufen hatte, hatte er den Zeigefinger gehoben. Bevor Anis Amri mit einem Auto in den Berliner Weihnachtsmarkt fuhr, zeigte er in einem Bekennervideo diese Geste. Die Dschihadis haben die Handbewegung nicht erfunden, sondern missbraucht. Im klassischen Islam, auch zum fünfmal täglich gesprochenen Glaubensbekenntnis, symbolisiert sie "tawhid", die monotheistische Einheit Gottes im Islam: Kein Gott außer Gott.

So differenziert wird das nach allerlei gestreckten Fingern auf IS-Enthauptungsvideos natürlich nicht mehr gesehen. Deshalb ist es durchaus begreiflich, wenn auch bedauerlich, dass das Denkmal "Unity", Einheit, des afroamerikanischen Künstlers Hank Willis Thomas im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf so große Skepsis stößt. "Unity" wurde am Samstag aufgestellt, ein fast sieben Meter langer Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger, und soll, so Thomas, Brooklyns immerwährendes "Streben nach oben" bei gleichzeitiger "Verbindung mit den Wurzeln" versinnbildlichen, aber auch die Einheit der konfessionell und ethnisch vielfältigen Einwohnerschaft Brooklyns.

Diese reagierte auf die Skulptur zu Füßen der Brooklyn-Bridge gemischt, aber durchaus originell. Einige wiesen voller Unbehagen auf den IS hin, manche gaben aber ganz andere Assoziationen an: als siegreiche Geste beim Sport, als Hinweis darauf, dass Brooklyn die Nummer eins sei. Wieder andere wie der Schauspieler Chazz Palminteri hätten in Brooklyn überhaupt lieber eine andere Figur geehrt, nämlich die italo-amerikanische Katholikin Mutter Cabrini.

Der Künstler reagierte gegenüber amerikanischen Medien mit Fotos von Persönlichkeiten, die hier und da auch schon mal den Zeigefinger erhoben haben. Darunter waren Präsident Donald Trump, der Basketball-Star Stephen Curry und Martin Luther King.

Kunst Abschied von den 100 weißen Männern

Das neue Museum of Modern Art

Abschied von den 100 weißen Männern

Freunde des alten MoMA werden ihr Museum nicht wiedererkennen - ein Rundgang durch das renovierte Gebäude.   Von Sebastian Moll