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Neville Marriner:Dirigent Sir Neville Marriner ist tot

Sir Neville Marriner

Galt als experimentierfreudig und undogmatisch: der weltbekannte Dirrigent und Geiger Neville Marriner.

(Foto: dpa)

Mit seinem Kammerorchester sorgte er immer wieder für Aufsehen. Königin Elizabeth II. erhob ihn in den Adelsstand. Nun ist Neville Marriner im Alter von 92 Jahren gestorben.

Der britische Dirigent und Geiger Neville Marriner ist im Alter von 92 Jahren am frühen Sonntagmorgen gestorben. Das teilte das von ihm gegründete Londoner Kammerorchester "Academy of St. Martin in the Fields" mit. Der 1924 in Lincoln geborene Engländer war von 1983 bis 1989 Chefdirigent des Radio-Sinfonie-Orchesters Stuttgart. Seine Einspielungen umfassten die Werke der barocken und romantischen Musik bis zu zeitgenössischen Komponisten.

Für seine musikalischen Verdienste ernannte Königin Elizabeth II. ihn 1975 zum Commander of the British Empire. 1985 erhob sie ihn in den Adelsstand. Sir Neville Marriners war der Überzeugung, dass man Dirigieren in zwei Stunden lernt oder überhaupt nicht. In einem Sommerkurs lernte der Geigenstudent Marriner einst, wie man den Taktstock hält.

Seine Karriere begann er 1952 als Violinist in den renommierten Londoner Symphonieorchestern, setzte sie dann als erfolgreicher Orchesterleiter fort. Er engagierte sich für junge Violinbegabungen wie die Kanadierin Leila Josefowicz.

Marriner hatte das Dirigieren vor allem beim legendären Pierre Monteux studiert, dem Uraufführungs-Dirigenten von Strawinskys "Sacre du Printemps". Marriner animierte exzellente Musiker der Londoner Orchester, ein Kammerensemble zu gründen - eben die Academy of St. Martin in the Fields, mit der Marriner für Aufsehen sorgte.

Marriner galt als experimentierfreudig und undogmatisch. Der große Erfolg kam mit Mozart. An der Einspielung des Gesamtwerks waren Academy und Marriner maßgeblich beteiligt. Für die Aufführung der Filmmusik zu "Amadeus" gab es zwölf Goldene Schallplatten. Die Academy kreierte vor allem einen neuen rhythmisch gelenkigen Stil bei barocker und Wiener klassischer Musik, der seit der Gründung 1959 die Welt rasch eroberte. Inzwischen ist das Kammerorchester eine mehr als sechzig Mitglieder zählende, nicht wegzudenkende Institution geworden.

Zum Markenzeichen von Marriner und seiner Academy wurde der schlanke, kammermusikalische Klang. Seit 1991 kam das Kammerorchester regelmäßig zu Pro-Musica-Konzerten in Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover. Das Orchester spielt mit einigen Zusatzspielern heute auch romantisches und zeitgenössisches Repertoire. Außerdem existiert seit 1975 ein Chor, der regelmäßig bei Fernsehübertragungen der Uefa Champions League mit einer Aufnahme der Champions-League-Hymne von 1992 zu hören ist.

© SZ.de/dpa/fie/bbr

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