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Neues Festival:Kammermusikjazz

Pechlof

Eine Harfenistin der anderen Art bei "Muc Tones": Kathrin Pechlof hat ihrem Instrument völlig neue Wege in den Jazz eröffnet.

(Foto: David beecroft)

Bei dem dreitägigen "Muc Tones" holt Jason Seizer hervorragende Musiker ins Heppel & Ettlich

Halbe Sachen hat Jason Seizer noch nie gemacht. Weder als Saxofonist, der nach dem späten Studium in Hilversum seine Vorstellung von Jazz als auf Bebop und Free fußende Improvisationskunst stets konsequent und mit höchsten Ansprüchen an sich selbst wie an andere umsetzte. Noch als Chef des Labels Pirouet Records, das er von 2003 an mit dem vielleicht homogensten Programm aller Labels international etablierte. Und auch nicht als Gastgeber des "Jazzsalons", in dem er zwischen 2013 und 2017 im Heppel & Ettlich mit Kollegen wie Szene-Figuren das Gespräch und das Zusammenspiel suchte. Er fand dafür zwar ein treues Stammpublikum, nur "leider doch nicht genügend, um ein fünftes Jahr zu überdauern", wie Seizer feststellt. Trotzdem fragten treue Gäste immer wieder, ob es nicht eine Fortsetzung geben könne.

In gewissem Sinne gibt es jetzt eine. Und noch viel mehr. Seizer hat - "inspiriert von Besuchen in anderen Städten und von Musikerinitiativen, die mich auf kleine Festivals eingeladen haben," wie er sagt - am selben Ort, dem seit einiger Zeit neu geführten Heppel & Ettlich, jetzt gleich ein dreitägiges Festival zusammengestellt. "Muc Tones", so der Name, präsentiert kammermusikalische Glanzlichter aus verschiedenen Städten Deutschlands, in jeweils zwei Konzerten am Donnerstag und Freitag sowie drei Konzerten am Samstag, nach denen man auch jeweils mit den Musikern ins Gespräch kommen kann und soll. Was sich in jedem Fall lohnt, hat der immer noch bestens vernetzte Jason Seizer doch ausnahmslos herausragende Leute geholt, darunter viele ehemalige Künstler seines Labels.

Los geht es mit dem Kölner Bassisten Robert Landfermann, einem der besten (und fleißigsten) Vertreter seines Fachs in Europa. Der WDR- und SWR-Jazzpreisträger sowie Gewinner des Neuen Deutschen Jazzpreises ist als Mitglied des Pablo Held Trios vielleicht am bekanntesten, spielte aber auch schon mit Weltstars wie John Scofield, Lee Konitz, Yo-Yo Ma, Charlie Mariano, Joachim Kühn, Django Bates, Chris Potter und vielen anderen. Im klassischen Jazz ist er ebenso zu Hause wie in der Avantgarde; solo wie hier sieht man ihn indessen nur selten. Ihm folgt ein Tenorsaxofon-Gipfel, wenn der Weilheimer Monolith Johannes Enders und der Südtiroler Damian Dalla Torre, der bei ihm in Leipzig studierte, ihr Quartett mit Lorenz Heigenhuber am Bass und Maximilian Stadtfeld an den Drums an den Start bringen, das zu den gefragtesten Festival-Acts gehört.

Der Freitag gehört dann jungen, an der Münchner Musikhochschule sozialisierten Jazzern. Erst präsentieren der Trompeter Julian Hesse und der Pianist Stephan Plecher ihr Debütalbum "The Wheel of Life", danach wagt sich die Schweizer Sängerin Fiona Grond mit ungewöhnlichen, alle möglichen Genres verschränkenden Eigenkompositionen auf die Bühne, was schon deswegen kaum schiefgehen kann, weil sie von Moritz Stahl am Saxofon und Philipp Schiepek an der Gitarre begleitet wird, den aktuell in der hiesigen Szene wohl angesagtesten Könnern ihres Fachs.

Am Samstag gibt es ein Wiedersehen mit der von hier stammenden Kathrin Pechlof, die nach Jahren in Köln inzwischen in Berlin lebt. Sie gehört zu den wenigen Harfenistinnen, die ihr Instrument klischeefrei in den improvisierenden Jazz überführt haben. Auch sie wird solo auftreten. Anschließend gibt sich Seizer mit seinem introvertierten, mitunter spröden, aber immer auch klaren und elastischen Saxofonspiel selbst die Ehre, an der Seite des Kölners Pablo Held, der mit 32 bereits elf eigene Alben eingespielt hat und seit Jahren ein Star unter den deutschen Pianisten ist. Beide haben schon oft miteinander gearbeitet, doch ist dies ihr erster Auftritt im Duo. Ins große Finale geht es mit dem Trio DLM und internationalem Flair: Der Vibraphonist und Jazz-Vordenker Christopher Dell entwirft hier mit dem Schlagzeug-Energetiker Christian Lillinger und dem im deutschen wie europäischen Jazz viel beschäftigten Kopenhagener Bassisten Jonas Westergaard packende und permanent wechselnde Klanglandschaften. Eine runde Sache.

Muc Tones, Donnerstag bis Samstag, 23. bis 25. Januar, 20 Uhr, Heppel & Ettlich, Feilitzschstraße 12

© SZ vom 22.01.2020
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