bedeckt München 28°

Neues Album von Paul McCartney:Lebenslänglich Beatle

Musician Paul McCartney attends The Shakespeare Center of Los Angeles 23rd Annual Simply Shakespeare benefit reading of 'The Two Gentlemen of Verona' in Santa Monica, California

Auf seinem neuen Album "New" schließt Paul McCartney Frieden mit seiner Beatles-Vergangenheit.

(Foto: REUTERS)

Auf seinem neuen Album schließt Paul McCartney endlich Frieden. Mit seiner Vergangenheit als Bassist der wichtigsten Band aller Zeiten, als eine Hälfte des wichtigsten Songschreiber-Duos des 20. Jahrhunderts und mit seiner oft so mittelmäßigen Gegenwart.

Vielleicht hat er tatsächlich seinen Frieden gefunden. Für das Booklet seines neuen Albums "New" hat Paul McCartney, 71, Popgigant, Milliardär und Sir, einen kleinen Begrüßungstext geschrieben, da erzählt er, wie die Arbeit an der Platte war, wer ihm geholfen hat, und alle paar Zeilen erwähnt er die Beatles. Er, der so viele Jahre seines Lebens zeigen wollte, dass er bitte, bitte nicht nur ein Ex-Beatle ist, dass er auch allein zählt.

Jetzt schreibt er, er habe erst Sorge gehabt, die Stücke hier könnten zu unterschiedlich sein, aber dann sei ihm eingefallen, dass das bei Beatles-Platten auch immer so war. Er beschreibt gemütlich, wie er nachts auf dem alten Klavier seines Vaters spielt, das der vor Jahrzehnten dem Papa des Beatles-Managers Brian Epstein abgekauft hat. Er ist stolz, dass manche Songs von Giles Martin produziert sind, dem Sohn des Beatles-Produzenten George Martin. Und immer so weiter. So zufrieden, so selbstverständlich hat Paul McCartney kaum je artikuliert, was er nun mal ist: der Lebenslang-Beatle.

Dabei hat er gerade erst in einem Interview gesagt, manchmal wäre es ihm lieber, niemand wüsste, was er früher gemacht hat. In den Siebzigerjahren, als er mit den neu gegründeten Wings auf eine aberwitzig planlose Tournee durch britische Universitäten aufbrach ("Guten Tag, wir hätten Instrumente dabei, könnten Sie heute Abend in Ihrem Audimax zufällig ein Konzert brauchen?"), weigerte er sich, Beatles-Lieder zu spielen. Er wollte etwas Neues, Eigenes schaffen. Er wollte der Welt beweisen, dass er nicht nur eine Hälfte war, dass McCartney auch ohne Lennon funktioniert. Und gerade als er begann, sich das einigermaßen selbst zu glauben, wurde John Lennon umgebracht.

"Papst der Popmusik"

Da ging der Eierlauf erst richtig los: Wie soll man sich von einem Ex-Partner abheben, der plötzlich zur mythischen Figur geschossen wurde? Wie soll man der Welt klarmachen, dass man sich selbst eigentlich für den besseren der beiden größten Songwriter des 20. Jahrhunderts hält, ohne dabei schlecht über den anderen zu reden?

Musik wäre eine Möglichkeit gewesen. Er hätte versuchen können, wirklich große Musik zu machen. Auch Lennon hat, neben zwei, drei Liedern für die Ewigkeit, nach den Beatles ziemlich viel Unsinn dahergesungen. McCartney versuchte alles mögliche - Oratorien, elektronische Musik, Rock'n'Roll, alte Schlager. Aber immer fehlte ihm der Widerpart, der sarkastische John, der ihm hart ins Gesicht sagt, wenn eine Strophe zu billig oder ein Refrain zu kitschig ist. Aber ohne diesen Bruderkampf klangen McCartneys Platten regelmäßig, als hätte er gleich die erstbesten Ideen aufgenommen, fertig, danke. Und weil er Paul McCartney ist, laut Dave Grohl von denn Foo Fighters "der Papst der Popmusik", traute sich auch nie jemand, ihm zu sagen, geh noch mal heim, das ist erst eine halbe Idee.

Ein bisschen scheint er das zu ahnen. Dieses Mal hat sich McCartney gleich vier Produzenten ins Studio geholt, junge Männer, die dem Alten sagen sollten, wo es lang geht, darunter der Amy-Winehouse-Vertraute Mark Ronson, den McCartney kannte, weil er laut Booklet auf seiner Hochzeit aufgelegt hat. Das tut ihm gut. Und trotzdem, höher als nötig hüpft McCartney auch dieses Mal nicht.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite