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Neues Album von Miley Cyrus:Was sie wirklich will

Darauf macht Cyrus vielleicht zum ersten Mal, was sie wirklich will. Psychedelik, wirre Effekte, Weltraumelegien, blubbernde Geräusche, die von irgendwoher kommen und wieder verschwinden. Der Einfluss von Wayne Coyne, dem Kopf der Kritikerlieblinge The Flaming Lips, ist nicht zu überhören. Auf deren Album "With A Little Help From My Fwends" sang sie bereits das Beatles-Cover "Lucy In The Sky With Diamonds", danach, sagt sie, habe sie alle Lieder auf ihrem iPhone gelöscht. Und nur noch die schrägen Songs der Weltraum-Popper gehört.

Willkommen im Kopf von Miley Cyrus

Das Ergebnis klingt entsprechend. Verdrogt, zurückgelehnt, als hätten sich Massive Attack nach Disneyland verirrt, um mit den späten Beatles und Space-Bowie eine Kifferparty zu feiern. Willkommen im Kopf von Miley Cyrus.

Denn nichts anderes ist das: eine Bestandsaufnahme der wirren Gefühlswelt einer 22-Jährigen, die noch nicht weiß, wo sie hin will, das aber vollkommen okay findet. Die ein wenig seltsam ist, aber das immer noch spannender findet, als so zu sein wie Taylor Swift. Die in einem Liebeslied "kotzen" und den Kopf unter die Achsel des Liebsten stecken will. Wenn sie nicht gerade ein "Fuck" an das nächste reiht.

Miley Cyrus; MTV Video Music Awards

Gut, subtil sind die Provokationen von Miley Cyrus nicht. Aber sie ist ja auch nicht Taylor Swift.

(Foto: AFP)

Die sich im herzergreifendsten Song der Platte, "Pablow the Blowfish", an ihren verstorbenen Kugelfisch erinnert und am Ende in Tränen ausbricht. Um ein paar Sekunden später zu lachen und alles in Frage zu stellen.

Weltraumballaden zwischen Wachen und Schlafen

Mit der Mainstream-Popwelt, in der sich Miley Cyrus bisher bewegte, hat das nur noch wenig zu tun. Radiotaugliches Single-Material gibt es unter den 23 Songs kaum. Vieles plätschert zurückgelehnt vor sich hin, verliert sich in der Lust am Klang. Ein paar Stücke sind nur Fragmente, der Rest Balladen zwischen Wachen und Schlafen.

Den Durchschnittsmusikkonsumenten erreicht solche Musik nicht. Aber vielleicht sind wir gerade Zeuge, wie sich Cyrus von den letzten ihrer "Hannah Montana"-Fans verabschiedet und künstlerisch emanzipiert. Um sich in ihr eigenes, schräges Universum zu verabschieden. In der ein Stück Frischhaltefolie mit ein paar Smarties auch ein veritables Kleid sein kann.