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Neuer Roman von T. C. Boyle:Adams Widerstand ist grundsätzlich

Die dritte Hauptfigur, die Boyle in ein Spannungsverhältnis zu den beiden Stensen-Männern setzt, heißt Sara Hovarty Jennings; sie ist vierzig Jahre alt, geschieden und schlägt sich als Gelegenheitslehrerin und Hufschmiedin durch, vor allem aber ist sie bis unter den Scheitel munitioniert mit Verschwörungstheorien und Wut auf den Staat und seine Einrichtungen, auf die von Kommunisten beherrschte Presse, auf die Polizisten, "die Handlanger der illegitimen Regierung des Amerikas der Konzerne".

Sara nimmt Adam als Anhalter mit; zwischen den beiden entspinnt sich ein Verhältnis, das auf grundsätzlichen Missverständnissen beruht: Sara sieht in Adam einen Verbündeten im Kampf gegen die staatlichen Organe, die in ihren Augen die Ideale der amerikanischen Verfassung verraten und aus Menschen unfreie Bürger gemacht haben; Adam dagegen denkt längst in ganz anderen Kategorien. Bei ihr ist es Liebe, bei ihm Trieb.

Krank, autistisch, schizoid

Die Parallelwelten, die Boyle entwirft, befinden sich allesamt im selben Land, den USA, im selben Staat Kalifornien, aber auf unterschiedlichen Zeitebenen: Adams Widerstand ist grundsätzlich und nicht institutionell gedacht; sein Idol ist der Trapper und Waldläufer John Colter, der im späten 18. Jahrhundert den Kampf gegen die Blackfoot-Indianer führte. Sara mag eine Renegatin sein, doch Adam hat schlicht einen gefährlichen Riesenknall. Wenn man diese Ferndiagnose wagen darf, ist er ein kranker Mann mit autistischen und schizoiden Zügen.

Die Grenzen werden von Boyle sorgsam vermessen: Wie und wo kann man sich ungestört bewegen? Wozu kann man gezwungen werden? Zur Impfung seines Hundes? Zum Einbau einer Tür in eine Mauer? Zum Vorzeigen eines Führerscheins? Zum Abschluss einer Krankenversicherung? Ist derjenige, der sich aus der Mitte herausbegibt, automatisch krank? Müssen Abweichler sanktioniert werden? Was in "Hart auf hart" in sprachlich sorgfältig getrennter Rollenprosa aufeinanderprallt, sind grundverschiedene Definitionen eines selbstbestimmten Lebens, die sich in der Figurenkonstellation spiegeln. Dass der Roman nichts Statisches hat, sondern im Gegenteil eine ungeheure Dynamik entwickelt, liegt daran, dass T. C. Boyle ein süffiger und unterhaltsamer Erzähler ist, der die mentale Gestimmtheit seiner Charaktere in den Alltagsdetails zu verankern weiß und der noch dazu in Dirk van Gunsteren einen ausgezeichneten Übersetzer hat.

Erzähltechnische Finessen sind Boyles Sache nicht; "Hart auf hart" ist in einer sturen Und-dann-und-dann-Chronologie abgehandelt. Das wiederum ist auch eine logische Konsequenz der Perspektive, denn am Ende, es kann gar nicht anders sein, muss die öffentliche Ordnung wiederhergestellt sein. Adam alias Colter wird zum Mörder und spielt in den nordkalifornischen Wäldern eine Zeit lang ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Sten wiederum ist Mitglied einer Bürgerinitiative namens "Unser Wald gehört uns". Auch hier also ein ungleicher Kampf zwischen Individuum und Interessengemeinschaften. Dass es von Beginn an keinen Zweifel daran gibt, wer ihn gewinnen wird, entspricht dem Weltbild des Autors. So bleiben nur vereinzelte Verlierer zurück.

T.C. Boyle Hart auf hart

T.C. Boyle: Hart auf hart. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2015. 398 Seiten, 22,90 Euro, E-Book 16,99 Euro.

(Foto: Hanser Verlag)
© SZ vom 04.02.2015/cag
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