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Neuer Film von Steven Spielberg im Kino:"E.T." ist ein Klassiker. Ist es zulässig, Spielbergs neues Werk daran zu messen?

Sophie beweist Mut, aber vorsichtig ist sie doch. Den BFG beobachtet sie erst einmal. Sie sieht, wie die anderen Riesen ihn herumschubsen, wie er ihr vorsichtig ihre winzige Brille hinterherträgt, verbessert seine merkwürdigen Wortgebilde - alles ist bei ihm ein bisschen durchgeschüttelt -, bemitleidet ihn, weil er nur ein übel riechendes Gemüse zu essen hat. Schließlich fürchtet sie ihn nicht mehr - und die restliche Angst verwandelt sie in Energie. Sie ist ausgefuchster als der BFG und schmiedet einen Plan, wie man den fiesen Riesen das Handwerk legen könnte. Aber dazu muss sie den BFG überreden, vor die Menschen zu treten, zumindest vor einen, der die Macht hat, zu helfen: die Königin von England, Oberbefehlshaberin der britischen Armee.

Die Orte, an denen sich die Geschichte entfaltet, sind mystisch - ein Höhlensystem, in dem Weckgläser voller Träume darauf warten, geträumt zu werden, ein schaukelndes Segelschiff, das gerade groß genug ist als Bett für den BFG. Einmal geht Sophie sogar mit dem Riesen auf Traumjagd, er fängt freche, widerspenstige Glühwürmchen ein, hinter einem Wasserspiegel.

Man kann solche Zauberwelten heute mühelos am Computer entstehen lassen, nur sind sie, das ist leider so, lange nicht mehr so überraschend wie vor einem Jahrzehnt. Obwohl manche Ideen schon sehr schön sind - jene beispielsweise, Königin Elizabeth nicht mit einer perfekten Doppelgängerin zu besetzen. Man sieht auch so, wer gemeint ist.

Trotz aller Tricks ist "BFG" ein altmodischer Film

Spielberg hat allerdings eine Vergangenheit, und wenn man ihn an sich selber misst, an "E. T." etwa, dann macht er mit "BFG" nicht das Rennen. Denn den Vergleichen entkommt man nicht: "E. T." ist ein Klassiker, perfekt, von Drew Barrymores Kreischen, als sie den Außerirdischen im Schrank ihres Bruders entdeckt, über den bei Michelangelo entliehenen Augenblick, an dem sich Kind und Außerirdischer an den Fingerspitzen berühren, bis hin zu der politischen Dimension, die Spielberg damals eher für die Eltern eingebaut hat.

"BFG" ist verspielt und magisch und liebenswert, und Spielberg ist immer noch ein Meister, der größte Gefühlsmanipulator unter den Filmemachern. Aber wenn sich der Riese und Sophie an den Händen berühren, ist das eben keine große Überraschung mehr.

Trotz aller Tricks ist "BFG" ein altmodischer Film, und vielleicht ist er das mit Absicht. Spielberg versucht, modernes Kino mit altmodischem Charme zu machen, man merkt das schon daran, dass er die Story nicht in die Gegenwart verlegt hat - es sind eindeutig die Achtziger, die man hier sieht. Und obwohl doch so viel aus diesem Film computergeneriert ist, bleibt die Erzählung langsam und detailliert, gänzlich auf die Figuren fokussiert. Es gibt kaum Action oder Knalleffekte, außer jenen, die die grüne Brause verursacht, die der BFG aus seinen Kotzgurken macht und die von oben nach unten blubbert.

Vielleicht ist etwas dran an der Behauptung, dass Spielberg, wie andere große Regisseure vor ihm, mit der Zeit hadert. Aber mit der Gegenwart ist auch leicht zu hadern; das Kino ist ein wundersamer Flugapparat, der einen überall hinfliegen kann, sogar in eine Zeit, als die Gefahren noch überschaubar waren.

BFG, USA 2016 - Regie: Steven Spielberg. Drehbuch: Melissa Mathison, basierend auf "Sophiechen und der Riese" von Roald Dahl. Kamera: Janusz Kamiński. Musik: John Williams. Mit: Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall. Constantin, 117 Minuten.

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