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Neuer Film von Helge Schneider:Endlich angekommen bei seinem Bühnen-Alter-Ego

Schönheit, Jugend, Fitness und ein gestählter Körper - all diese Attribute sind für Menschen in der Öffentlichkeit heute noch viel wichtiger als vor 20 Jahren, als Helge Schneider berühmt wurde. Und doch hat er von Anfang an auf das Gegenteil gesetzt: auf die Karikatur des alternden Entertainers, der mit schmalziger Stimme ulkige Liebeslieder singt oder unverständliche Chansons brummelt, die singende Herrentorte eben.

Helge Schneider

Sechs Kinder von vier Frauen, vier Enkelkinder - und für 2016 hat Helge Schneider eine neue Tour angekündigt: "Lass k(n)acken Oppa!"

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Noch ein Ausschnitt aus dem neuen Film: Helge steht auf der Bühne und trägt mal nicht Altherrenanzug, sondern Altherrenrocker-Outfit. Schwarze Lederhose und vor allem schwarze Lederjacke mit ewig langen Fransen. Es gibt deutsche Künstler, die tragen dieses Outfit allen Ernstes auf der Bühne, Peter Maffay zum Beispiel. Aber erst wenn Schneider es trägt, ergibt das alles Sinn. Er vereint alles Absurde im absichtlich Schrägen. Das Lachen über Helge Schneider ist eine Versöhnungsgeste mit den Wirrnissen dieser Welt ( zu denen man manche Schlagerstars durchaus zählen darf). Deshalb lachen die Leute über ihn so gerne und so dankbar.

Und immer schon hat er es bei dem einen Witz nicht belassen, sondern immer weitergemacht, bis das Publikum vor Lachen fast vom Stuhl kippt. Diesen ausufernden Dada-Humor verbindet er mit dem Jazz: Beides dauert ewig. Für beides brauchen Künstler und Zuschauer Geduld, aber wer es erfasst, wird reich belohnt.

Jazz und Witz und Helge, das ist eins

Helge Schneiders Lebensleistung ist, Jazz und Witz in seiner Person vereint zu haben. In dem Konzertfilm wird das nochmal deutlich. Schneiders Humor ist nicht ohne die Musik zu haben, in Zukunft soll das noch weniger so sein, wie er sagt. Und die Musik funktioniert zwar auch ohne den Witz, aber längst nicht so gut.

Wenn er etwa vom "Schönheitschirurg von Banania" singt, der ein paar Körperteile zu viel an verschiedenen Stellen falsch angebracht hat ("Gestern war 'ne Frau mit Hängebacken da. Ich nähte ihr die Backen hinten an den Nacken, da konnte sie besser kacken"), dann lacht das Publikum über einen platten Witz und ein gesellschaftliches Phänomen, das er eigentlich nur leicht ins Absurde übersteigert hat. Zusammen mit seinem begnadeten Jazztalent aber wird die Nummer zum grandiosen Schauspiel.

"Je älter ich werde, desto psychedelischer wird das Zeug, das ich mache", sagt Schneider in einem der kurzen Intervieweinspieler. Das kann man auch anders sehen. Wer seine frühen Hörspiele kennt, über verständnislose Ärzte oder unverständliche Sportmoderatoren etwa, oder auch seinen ersten Hit "Katzeklo" mit dem Nummer-1-Hit "Sommer, Sonne Kaktus" von 2013 vergleicht, der kann genauso gut eine gewisse Altersmilde attestieren.

Aus diesem Grund gibt Schneider, der sich ungern festlegen lässt, auch ungern Interviews. Was kümmert ihn sein Geschwätz von gestern, zum Beispiel schon einige Male, dass er seine Karriere beende, wenn er übermorgen doch wieder Lust auf die Bühne hat?

Zum Glück sieht Schneider auch mit 60 davon ab, seine immer wieder nötigen Schaffenspausen länger als ein paar Monate auszudehnen oder gar an Rente zu denken. Schließlich ist er jetzt endlich in seinem besten Alter, in dem er auf der Bühne immer schon war.