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Neuer "Asterix"-Comic:Ganz Gallien ist in der Hand des Spindoktors

Syndicus

Erster Side-Gag vom neuen Asterix-Band : der politische Berater Cäsars "Bonus Promoplus".

(Foto: Editions Albert René)

Bonus Promoplus heißt der neue Hauptfeind von Asterix und Obelix. Die Ähnlichkeit mit einem bekannten Franzosen ist nicht zu übersehen.

Während der deutsche Herausgeber der Asterix-Comics, der Egmont Ehapa Verlag, noch zum neuen Band schweigt, ist in französischen Medien bereits die erste Information über einen politischen Side-Gag des neuen Hefts durchgesickert: Er steckt in der Figur des politischen Beraters "Bonus Promoplus", einem kleinen Römer mit nur wenigen Haaren, heruntergezogenen Mundwinkeln, einer großen Nase und kleinen Augen. Promoplus ähnelt einem der erfolgreichsten Werbemacher Frankreichs auffallend - die Rede ist von Spindoktor und PR-König Jacques Séguéla.

Tatsächlich inspirierte der 81-jährige Franzose Zeichner Didier Conrad und Szenarist Jean-Yves Ferri zu der Figur. Das sagten die Macher des 36. Bandes "Das Papyrus des Cäsars" der Huffington Post Frankreich. Ferri und Conrad, die das Comic-Werk von Albert Uderzo und René Goscinny weiterführen, wollten in ihrem zweiten Asterix-Band zuerst den römischen Imperator selbst zum Hauptfeind machen, entschieden sich dann jedoch für einen Strippenzieher im Hintergrund. Sie erfanden den Mann in Cäsars Schatten, einen Berater, der das Image seines Auftraggebers aufpolieren soll und die widerspenstigen Gallier zu Fall bringen will.

Auf was die Wortkreation "Promoplus" anspielt

Das Wortspiel im pseudolateinischen Namen "Bonus Promoplus", den der Berater in der französischen Version trägt, deutet auf den Beruf der Comicfigur hin. "Bonus" könnte man entweder mit "gut" oder auch ironisch mit "Ehrenmann" übersetzten - oder einfach die Verbindung ziehen zum Bonus eines erfolgreichen Geschäftsmannes. "Promoplus" spielt auf das Wort "Promotion" oder "Vermarktung" an. Das angehängte "plus", das auch auf Französisch "mehr" heißt, setzt noch einen drauf: Ein emsiger Vermarkter, der Cäsar ins rechte Licht rücken will. Die Wortkreation ist also eine Anspielung auf den Job seines realen Vorbildes: Séguéla steht in Frankreich für die politischen Werbekampagnen der Siebziger- und Achtzigerjahre und ist bis heute ein erfolgreicher Werbemacher.

Séguéla gründete mit 35 Jahren seine eigene Werbeagentur, die heute Teil des Unternehmens Havas-Advertising ist, eine der größten international aufgestellten Werbeagenturen mit Séguéla als Vize-Präsident. Von Havas-Advertsing stammt zum Beispiel die Kampagne für ein Citroën-Modell, bei dem Schauspieler Ewan McGregor an einen Lügendetektor angeschlossen wird und die unterkühlte Ermittlerin aus dem Konzept bringt, weil seine Aussagen über sein Auto zu gut klingen, um wahr zu sein.

Séguéla ist Spindoktor des ehemaligen Staatspräsidenten Mitterand

Anfang der Achtzigerjahre verhalf Jacques Séguéla mit dem Slogan "La force tranquille" ( Die ruhige Kraft) dem Sozialisten François Mitterand zum höchsten politischen Amt Frankreichs. Mitterand selbst fiel nicht nur durch sozialistische Projekte wie die Verstaatlichung von Banken auf, sondern auch dadurch, dass er monumentale Prunkbauten wie den neuen Triumphbogen Grande Arche im Büroviertel La Défense und die Bibliothèque nationale de France errichten ließ. Die indirekte Verbindung zwischen Cäsar und Mitterand durch den Berater Bonus Promoplus ist eine zeitgeschichtliche Ironie, über die man in Frankreich vorzüglich kichern kann.

Es könnten auch diverse provokante Aussprüche von Jacques Séguéla zur Entscheidung der Comic-Macher beigetragen haben. In einem Interview mit dem Fernsehsender France 2 sagte er zum Beispiel einmal: "Wenn man mit 50 Jahren noch keine Rolex hat, hat man sein Leben verpfuscht." Dieser Satz löste Empörung in Frankreich aus. Erst im Juli dieses Jahres trat Séguéla erneut ins Fettnäpfchen, als er in einem Interview mit dem Nachrichtensender BFMTV sagte: "Selbst als Penner kann man noch 1500 Euro im Monat beiseitelegen."

Séguéla ist stolz auf sich selbst als Comic-Bösewicht

Die Nachricht, dass sein Gesicht nun als Vorlage für den Schuft im neuen Asterix-Band dient, nahm Séguéla ausgesprochen gelassen hin. Er sei sogar stolz, sagte er dem französischen Radiosender Europe 1, einer der Bösewichte der berühmten Comicbücher zu sein. Asterix-Erfinder Albert Uderzo, der 2011 die Zeichenfeder an Didier Conrad weitergab, aber sich immer noch hin und wieder einmischt, ist mit der Figur ebenfalls zufrieden. Lediglich die Nase habe er etwas gekürzt, sagte er.

In welches Abenteuer genau sich Asterix und Obelix in "Das Papyrus des Cäsar" stürzen, bleibt noch bis zum 22. Oktober ein Geheimnis. Dann kommt der Comic in Deutschland in den Verkauf. Der neue Band wird aber wohl ein altbekanntes Muster aufgreifen, nach dem die mutigen Gallier ihr Dorf gegen einen Angriff von Cäsar verteidigen müssen. Nur müssen sie diesmal nicht tumbe Römer aus den Sandalen hauen, sondern sich gegen einen durchsetzen, der die Macht der Worte und Bilder beherrscht.