Neue Realitäten Alpenrundflug auf dem Sofa

Bei einer dreitägigen Konferenz an der Filmhochschule sprechen Experten über Innovationen auf dem Bewegtbildmarkt. Der große Trend: Headsets, die das Eintauchen in virtuelle Welten ermöglichen

Von Henrik Oerding

Einige hundert Meter über dem Boden der Alpen: Der Blick rauscht über Fichten, Tannen und Buchen. Dreht man den Kopf ein wenig, umfliegt man das Matterhorn, hinter ihm tut sich ein beeindruckendes Bergpanorama vor den eigenen Augen auf. Was niemals für einen Menschen möglich scheint, ist nicht mehr weit von den Wohnzimmern der Welt entfernt: Virtual-Reality-Headsets ermöglichen das Eintauchen in eine interaktive Filmwelt. Sie sind vermutlich der größte Trend auf dem Bewegtbildmarkt, in diesem Jahr bringen Größen wie Facebook (Oculus Rift), Sony (PlayStation VR, ehemals Project Morpheus) oder HTC (Vive) ihre Geräte auf den Markt.

Mit diesen und weiteren Entwicklungen der Medienbranche beschäftigt sich die Konferenz "i4c" (sprich: I foresee) an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF). Durch den Zusammenschluss von drei ehemals autonomen Veranstaltungen können internationale Branchenexperten themenübergreifend zusammenkommen. Dabei finden sich auf der Liste der Sprecher einige Stars: Etwa Marian Mavrovic von Industrial Light & Magic. Am "Animation Day" (10. März) gibt er einen Überblick über die Geschichte seines Arbeitgebers und erklärt wie die dort produzierten Effekte für "Star Wars: Das Erwachen der Macht" entstanden sind. Am gleichen Tag spricht auch Sven Martin von Pixelmondo über die fotorealistischen Animationen der Serie "Game of Thrones", für die er unter anderem zwei Emmy Awards erhielt.

Das "Holodeck" des Fraunhofer-Instituts simuliert auf 1400 Quadratmetern echte Schauplätze.

(Foto: HFF)

Die älteste Veranstaltung des Symposiums ist der "Transmedia Day" (8. März), der bereits zum fünften Mal stattfindet. Hier geht es um die Bedeutung von Innovationen für die Nutzung von Medien. Es spricht etwa der Grimme-Preisträger Georg Tschurtschenthaler, der mit seinem Crossmedia-Projekt "Supernerds" im vergangenen Jahr Theater, TV, Radio, Spiele und Social Media verband, um über die Formen von alltäglicher Überwachung aufzuklären. Dem gegenüber hält der Datenanalyst Jörg Blumtritt einen Vortrag darüber, wie Daten über Nutzer eine immer größere Rolle für Medienangebote spielen und wie Daten sogar selbst Inhalte produzieren können. Am selben Tag lässt sich auch der Vogelsimulator "Icaros" ausprobieren.

Dies liefert dann gleich Inspiration und Diskussionsstoff für den "Mixed Reality Day" (9. März), an dem sich alles um Virtual Reality dreht. Hier erläutert Stephan Otto vom Fraunhofer-Institut, wie er ein "Holodeck" wie bei Star Trek realisierte: Auf 1400 Quadratmetern Fläche können mit Hunderten von Funksendern reale Schauplätze wirklichkeitsgetreu simuliert werden. Nach vorne schauen heißt für die Veranstalter aber auch zurückschauen: Googles "Glass" sorgte für einen großen Hype um sogenannte "Smart Glasses", die Datenbrille wurde jedoch kaum angenommen. Mit der Akzeptanz solcher "Wearables" beschäftigt sich der Vortrag von Philipp Rauschnabel von der University of Michigan. Er postuliert die zunehmende Verschmelzung von Mode und Technologie sowie von Virtualität und Realität.

Aus den Augen einer virtuellen Figur lässt sich dann etwa ein Renaissance-Thronsaal bestaunen.

(Foto: HFF)

Wem das alles danach klingt, dass die Menschen ohne Bewegung zukünftig fettleibig werden, sei beruhigt: "Icaros" verspricht neben guter Aussicht auch das Training der wichtigsten Muskelpartien - ohne dass man noch nach draußen gehen muss.

Konferenz i4c, Di., 8., bis Do., 10. März, HFF, Bernd-Eichinger-Platz 1