Neue Musik der Woche:Welche Alben sich lohnen und welche nicht

Diese Woche: Die vollständig ironiebefreite, hirnerweichende U2-Haftigkeit von U2 und die Frage, was Neil Young und eine Klimawandel-Doku gemeinsam haben.

Kollegah & Farid Bang - "Jung, brutal, gutaussehend 3" (Banger Musik/Groove Attack)

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(Foto: Banger Musik/Groove Attack)

Die beiden Düsseldorfer Kurfürsten des deutschen Proll-Rap, also Felix Martin Andreas Matthias Blume alias Kollegah und Farid Hamed El Abdellaoui alias Farid Bang, haben den dritten Teil ihrer Reihe "Jung, brutal, gutaussehend" aufgenommen. Man darf sich also auf Albumlänge an wüstesten Kollegahschelten von allem und jedem erfreuen. Dabei wird auf die Dauer technisch etwas monoton geradeaus gerappt, aber, nun ja, durchaus immer wieder mit einem zwar arg robusten, aber doch auch ziemlich cleveren Wortwitz: "Was will der Ehrenmann hier starten?/ Stress ohne Grund?/ Versuch's erst mal mit Sex ohne Hund". Oder der hier: "Immer noch goldene Kette unterm Lederjackenkragen/ Nutte, bald sagt man, dass Stiere 'nen Kollegah-Nacken haben". Anders gesagt: Wer sich die Selbstironie bislang nur als das Florett unter den Stilmitteln vorstellen konnte, lag falsch. Sie taugt offenbar durchaus auch hervorragend als Vorschlaghammer.

U2 - "Songs Of Experience" (Island/Universal)

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(Foto: AP)

U2 hat die Pathospopproduktion wieder angeworfen. Die vollständig ironiebefreite U2-Haftigkeit von U2, das Einssein der Band mit dem eigenen Klischee, ist auf "Songs Of Experience" wirklich hirnerweichend. Wenn der fünfzehnte Song verklungen ist, muss man aber wohl auch sagen, dass das Album alle U2-Fans (und einen guten Teil der übrigen Menschheit) natürlich wieder sehr glücklich machen wird, kein Zweifel. Es ist schon sehr gut gemacht, großer, stolzer Pathosalarm mit Chorattacken. Alle anderen müssen anderes hören. Sollten sie dereinst zufällig - kann ja mal passieren - im Stadion stehen, wenn Bono und Band zum Beispiel zum neuen Song "13 (There Is A Light)" anheben, werden sie dem monströsen Zauber dieser Musik trotzdem nicht entkommen können. Gelobt sei die Macht des Massenchors: "Oh-oh-ooohh-waah!" Lesen Sie hier die ausführliche Kritik zum neuen U2-Album.

Neil Young - "The Visitor" (Reprise/WEA)

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(Foto: Reprise/WEA)

Neil Youngs Lieblingsbewegung war ja immer: im Rückwärtsgang in die Zukunft. Ein breiter amerikanischer Straßenkreuzer, aber mit Elektroantrieb. Mit dem guten Alten für das bessere Neue kämpfen, das macht auch "The Visitor", eine Protestplatte für die Ära Trump mit "Lock him up"-Chören und politischer Agitationslyrik ("No wall, no hate, no fascist USA"). Der US-Präsident? Ein Spielshow-Prahlhans. Die Natur? Geschunden und malträtiert. Neil Youngs 39. Album - zuverlässig zwischen teerzähem Stampfrock und sanft geschrubbtem Kommunenfolk pendelnd - ist wie eine Doku über den Klimawandel. Alles richtig, alles wichtig, alles unfassbar dringlich. Und unfassbar langweilig.

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