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Neue Musik:Das sind die Alben der Woche

First Aid Kit machen jetzt Country-Pop - erstaunlicherweise ziemlich gut. Die Tune-Yards liefern die beste Musikmedizin, um der Melancholie zu entkommen. Nicht nur an grauen Tagen im Januar.

First Aid Kit - "Ruins" (Columbia/Sony)

Und dann machen sie den entscheidenden Fehler eben doch nicht. Schrammen - nur knapp zwar, aber knapp ist im Pop ja nicht nur möglich, sondern oft eine entscheidende Qualität - am Pathos-Gedödel vorbei. Lassen die Chöre ein bisschen porös, setzen mit einem Glockenspiel kleine Luftlöcher in die sonst zu aufgeblasenen Streicher. Druck ablassen. Durchatmen. Der Song "To Live a Life" ist schon mal gerettet. Und das neue Album von First Aid Kit auch fast. Die Schwestern Klara und Johanna Söderberg wagen sich auf "Ruins" (Columbia/Sony) nämlich verdächtig nah an etwas, das man Folk-Pop nennen könnte. Vielleicht sogar Country-Pop. Ein Genre in jedem Fall, das, wenn es schlecht läuft, die harmonische und ästhetische Banalität des einen mit der fehlenden Geschichtentiefe des anderen zusammenschnürt. Läuft es hingegen gut, und stellt man den etwas zu glatten Gitarren zum Beispiel ein paar herumtorkelnde Blechbläser an die Seite oder einen ziemlichen geschmackssicheren Synthie, kann das aber auch alles klappen. "Ruins" ist damit ein bisschen Pop-Glaubensfrage: Wer meint, ein Album sei gut, wenn alles gut gemacht ist, wird eine wunderbare Zeit damit haben. Wer Aufregung oder gar Innovation sucht, dem wird das dafür zuständige Hirnareal vor Langeweile wohl ein bisschen wattig.

Jakob Biazza

Porches - "The House" (Domino)

Ganz so schön elegisch-verweht, wie man gehofft hatte, ist die neue Platte "The House" (Domino) der amerikanischen Synthie-Pop-Band Porches leider nicht geraten. Mindestens die Single "Country" ist aber schon sehr gut, wenn man mal wieder ein kleines Bad im eigenen Selbstmitleid nehmen will. Dabei kann man dann auch gleich noch ein bisschen über das Mantra des Songs meditieren: "Break the water with your arms".

Jens-Christian Rabe

Tune-Yards - "I Can Feel You Creep Into My Private Life" (4AD)

Das neue, vierte Studioalbum der amerikanischen Avantgarde-Indiepop-Band Tune-Yards: "I Can Feel You Creep Into My Private Life" (4AD) ist genretypisch kunstvoll-verspielt bis ziemlich verspult und so immer wieder ein nicht ganz unanstrengendes Vergnügen. Die vom Afrobeat inspirierten Klöppelbeats und der expressiv-drängelnde, gern gestapelte Gesang von Merrill Garbos wollen einem die Seele beherzt aufrühren. Wenn allerdings mal wieder gar nichts vorwärtsgehen sollte, an einem grauen Freitagvormittag zum Beispiel, dann gibt's gerade keine bessere Musikmedizin als den den fabelhaft nervös-treibenden Song "Heart Attack".

Jens-Christian Rabe

© SZ.de/doer/liv

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