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Neue Filme in Kürze:Die Starts der Woche

Drei Familien essen für eine bessere Welt, Feuerwehrmänner werden zu Babysittern, ein unschuldig Angeklagter wird verteidigt und ein Stalker unsichtbar - die Filme der Woche, bewertet von der SZ.

Anders essen - Das Experiment

Sofia Glasl: Unsere Ernährungsgewohnheiten belasten die Umwelt, das ist nichts Neues. Doch wie können wir das so verändern, dass der ökologische Fußabdruck sich verringert? Die österreichischen Dokumentarfilmer Kurt Langbein und Andrea Ernst haben das drei Familien im Selbstversuch ausprobieren lassen. Das ist anschaulicher als die meisten Studien zum Thema, Praxistipps gibt es auch. Allerdings wird auch hier im Subtext deutlich, dass umweltverträglicher Konsum Luxus ist und für ein großflächiges Umdenken politische Lösungen her müssen.

Baba Yaga

(Film wurde vorab nicht gezeigt).

Chaos auf der Feuerwache

Ana Maria Michel: Als sogenannter Feuerspringer lässt sich Muskelprotz John Cena bei Andy Fickman aus Hubschraubern direkt dorthin abseilen, wo es richtig gefährlich ist. Er und seine Kollegen werden nach einem Einsatz jedoch unverhofft zu überforderten Babysittern dreier Geschwister, die Wache steht Kopf. Irgendwann wird natürlich selbst das Herz des härtesten Feuerwehrmanns weich. Drumherum gibt es viel Action zu sehen, ständig brennt etwas, den Witzen fehlt allerdings der nötige Funke, um zu zünden.

The Gentlemen

Juliane Liebert: Guy Ritchies Film ist perfekt für alle, die gerne Männern beim Reden zusehen. Es gibt zu wenig redende Männer auf der Welt, ein nahezu stummes Geschlecht, darum ist es sehr gut, dass es diesen Film gibt, sonst wüsste man ja gar nicht, was in denen so vorgeht. Und Marihuana gibt es auch! Aber leider nicht umsonst, sonst wäre der Film tatsächlich perfekt.

Just Mercy

Annett Scheffel: Ende der Neunzigerjahre kam der junge Anwalt Bryan Stevenson nach Alabama. Über einen seiner berühmtesten Fälle - Walter McMillian, der als schwarzer Sündenbock für einen unaufgeklärten Mord sechs Jahre unschuldig in der Todeszelle saß - schrieb er einen Bestseller, den Destin Daniel Cretton nun verfilmt hat, mit Michael B. Jordan in der Hauptrolle. Gerettet wird das etwas zu lang und zu geradlinige geratene Justizdrama vor allem von Jamie Foxx (im Bild rechts, mit Michael B. Jordan, ) und seinem intensiven Spiel: Sein McMillian ist ein ohnmächtiger Held in einem von Rassismus tief geprägten Harper-Lee-Amerika, in dem sich dreißig Jahre nach "Wer die Nachtigall stört" nicht viel verändert hat.

Plötzlich Heimweh

Anna Steinbauer: Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit treibt die chinesische Filmemacherin Yu Hao in die Schweizer Berge, wo sie über viele Jahre das Leben auf der Alm, Brauchtum und Traditionen dokumentiert. Je tiefer die Chinesin in die fremde Welt eintaucht, desto mehr kommt ihre eigene Geschichte zum Vorschein. Der sehr persönliche Dokumentarfilm erzählt berührend offen vom Leben zwischen zwei Welten, Selbstfindung, Migration und Entwurzelung. Ist Heimat dort, wo man eine Vergangenheit hat? Durch ihre Kameralinse entdeckt Yu Hao einen Ort, an dem sie innere Ruhe finden kann.

Russland von oben

Josef Grübl: Der Dokumentarfilm von Freddie Röckenhaus und seiner 2017 verstorbenen Frau Petra Höfer basiert auf der gleichnamigen ZDF-Serie. Mit dieser konnte man vor Gästen prima mit dem neuen LED-Fernseher angeben, man konnte sich auch unterhalten, ohne viel zu verpassen. Selbst die Tonspur mit der pathostriefenden Musik und dem onkelhaften Erzähler ließ sich abstellen. Das geht in der Kinoversion leider nicht. Diese entstand in Zusammenarbeit mit Gazprom, die Drehgenehmigungen besorgte, unter anderem beim russischen Geheimdienst. Wer Hochglanzpropagandavideos mit viel Aufsicht und wenig Einsicht schätzt, ist hier genau richtig.

Der Unsichtbare

Fritz Göttler: Eines Nachts macht Cecilia (Elisabeth Moss) sich heimlich davon. Ihrem Partner, den Jungunternehmer Adrian, der neben ihr im Bett liegt, hat sie Schlaftabletten verpasst. Seine Dominanz, seine Besessenheit wurden zu heftig. Vor der Supervilla am Meer holt ihre Schwester sie ab. Dann eine dubiose Wendung: Adrian hat Selbstmord begangen, oder vielleicht doch auch nicht, Cecilia ist jedenfalls Erbin. Aber: Adrian ist offenbar immer noch präsent, ein Meister der optischen Täuschung, ein Unsichtbarer, der Stalker par excellence. Man fängt schnell an, Räume anders zu sehen in diesem stilvollen Suspense-Thriller von Leigh Whannell, der zuvor mit James Wan an den "Saw"-Filmen gebastelt hatte. Und wir lernen, dass öffentliche, menschenreiche Räume nicht unbedingt Sicherheit bieten, wenn ein fieser Unsichtbarer im Spiel ist.

© SZ vom 27.02.2020
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