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Neue Filme:Die Starts der Woche in Kürze

In seinem Dokumentarfilm "Alkohol - Der globale Rausch" untersucht Andreas Pichler die Folgen des Alkoholkonsums. Das Horror-Remake "The Grudge" macht großen Spaß.

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Die Starts ab 9. Januar auf einen Blick. Rezensionen ausgewählter Filme folgen.

Alkohol - Der globale Rausch

Martina Knoben: Ein nüchterner Blick auf die Volksdroge Alkohol. Experten - darunter Pharmakologen, Psychologen, Suchtberater und Ex-Trinker - erläutern, warum Alkohol tatsächlich eine Droge und kein Genussmittel ist, welche Reaktionen er im Gehirn auslöst, und was er langfristig mit dem Körper anstellt. Noch ernüchternder ist der Blick auf wirtschaftliche und politische Zusammenhänge, warum zum Beispiel sich die meisten Staaten so alkoholfreundlich verhalten. Wer sich keine Feier und kein Fußballspiel ohne Bier oder Wein vorstellen kann und Nicht-Trinker für Spaßbremsen hält, sollte sich diesen Dokumentarfilm des Südtiroler Regisseurs Andreas Pichler ansehen. Eltern sowieso.

Freies Land

Josef Grübl: Sie treffen sich im Hotel Fortschritt, doch fortgeschritten ist hier höchstens der Verfall der Zimmer. Trystan Pütter und Felix Kramer spielen im deutschen Remake des spanischen Thrillers "La isla mínima" (2014) zwei gegensätzliche Kommissare - der eine Wessi, der andere Ossi - die Anfang der Neunzigerjahre im Nordosten der Republik ein vermisstes Schwesternpaar suchen sollen. Die Euphorie der Wiedervereinigung ist verflogen, die Menschen fühlen sich bereits abgehängt. Regisseur Christian Alvart verknüpft Motive des Genrekinos mit politischer Zeitdiagnose, nur in Sachen Logik und Spannung gerät sein Film etwas ins Schlingern.

The Grudge

Sofia Glasl: Reboot des Remakes einer japanischen Horrorfilmreihe. Ein Haus, in dem ein Mord geschehen ist, belegt alle, die es betreten, mit einem Fluch und treibt sie in den Tod. Ein solch redundantes Prinzip muss schiefgehen, tut es aber nicht. Denn mit dem New Yorker Filmemacher Nicolas Pesce ("The Eyes of My Mother") ist einer der vielversprechendsten jungen Horrorregisseure am Werk, und er macht etwas Unerhörtes. Er nimmt die Prämisse ernst und liest sie als düstere Parabel über Trauerarbeit.

Little Joe - Glück ist ein Geschäft

Annett Scheffel: Was passiert, wenn der Duft einer Topfpflanze glücklich machen kann? Die österreichische Arthouse-Regisseurin Jessica Hausner vertieft sich mit ihrem sorgfältig stilisierten und kodifizierten Film in dieses Gedankenexperiment. Hier gelingt einer Biogenetikerin und alleinerziehenden Mutter (Emily Beecham) besagte Züchtung - nur dass die Pflanze bald ein seltsames Eigenleben aufzunehmen scheint. Hausners Bilderwelten sind verführerisch artifiziell und auf beunruhigende Art aseptisch. Der Horror entfaltet sich im Kopf. Ein böser Seitenhieb auf die Glücksindustrie. Und ziemlich unheimlich.

Milchkrieg in Dalsmynni

Anke Sterneborg: Man kennt diese zähe Widerstandskraft der Frauen schon aus anderen isländischen Filmen, zuletzt zum Beispiel aus "Gegen den Strom". Nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes hat Inga nichts mehr zu verlieren. Mit einer Mischung aus erdiger Chuzpe, frechen Ideen und lakonischem Humor widersetzt sie sich dem Druck, den die korrupte Genossenschaft auf die lokalen Kleinbauern ausübt, den mafiösen Methoden, mit denen sie zum Verkauf ihrer kleinen Milchfarm gezwungen werden soll. Unter der Regie von "Sture Böcke"-Regisseur Grímur Hákonarson verkörpert Arndís Hrönn Egilsdóttir diese Inga mit dem rauen Charme, den man sonst vor allem von Frances McDormand kennt.

Queen & Slim

Tobias Kniebe: Amerikanische Realität: Ein schwarzes Paar wird nach dem Date von einem Cop angehalten, gefilzt, angeschossen. Hier allerdings verliert der Rassist die Waffe, der sanftmütige Slim (Daniel Kaluuya) ergreift sie, wird zum Copkiller. Ihre Flucht dauert mehrere Tage, die Jagd beginnt, der Ruhm wächst. Soweit, so Bonnie & Clyde. Interessant aber: Fast alle helfen mit, niemand glaubt mehr an die Staatsgewalt. Und Anwältin Queen (Jodie Turner-Smith), einen halben Kopf größer als ihr Komplize, genervt und auch sonst überlegen, verkörpert die neue schwarze Frau, wie Autorin Lena Waithe und Regisseurin Melina Matsoukas sie zelebrieren.

Swans - Where Does a Body End?

Jan Jekal: "Michael ist kein furchtloser Mensch." Pause. "Aber er ist ein furchtloser Künstler." Derlei ehrfürchtige Sätze fallen zuhauf in Marco Porsias konventioneller Rock-Doku, die den amerikanischen Lärm-Alchemisten und führenden Swans-Kopf Michael Gira als leidenden Genius porträtiert. Seinem stets experimentierfreudigen Subjekt wird Porsias Film, reich an Lobhudeleien und arm an Erkenntnisgewinn, nicht gerecht.

Vier zauberhafte Schwestern

Ana Maria Michel: Marina, Flora und Sky leben in einem riesigen Schloss, gewinnen mit ihren Gesangskünsten jeden Musikwettbewerb - und haben Zauberkräfte. Feuer, Wasser, Erde und Luft: Jede der vier Schwestern beherrscht ein Element, dank einer geheimen magischen Quelle im Keller. Auf die hat es die böse Glenda abgesehen. Die Schwestern müssen zusammenhalten. Sven Unterwaldts Kinoadaption der beliebten Beststellerreihe der britischen Schriftstellerin Sheridan Winn macht nicht nur Fans Spaß, unter anderem auch weil Katja Riemann so wunderbar Kröten spucken kann.

© SZ vom 09.01.2020
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