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Neue Filme:Die Starts der Woche in Kürze

Die Stars in "Cats" sehen aus wie Frankensteins fellige Monster. Und Regisseur Ron Howard übersetzt die Stadion-Klassik von Luciano Pavarotti in einen Dokumentarfilm.

Die Starts ab 25. Dezember auf einen Blick. Rezensionen ausgewählter Filme folgen.

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Anke Sterneborg: Drei muslimische Terroristen versuchen den Airbus A319 von Berlin nach Paris in ihre Gewalt zu bringen. In seinem packenden Spielfilmdebüt nutzt der deutsche Regisseur Patrick Vollrath die klaustrophobische Enge in der Flugzeugkabine fast dokumentarisch. Schade nur dass die Terroristen lediglich Stichwortgeber und keine ernst zu nehmenden Menschen sind.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Tobias Kniebe: Wer kleinen Mädchen ihr rosa Kaninchen klaut, dem sind noch ganz andere Verbrechen zuzutrauen. Nach diesem Motto hat Judith Kerr Generationen von nachgeborenen Kindern vorsichtig an das Grauen der Hitlerzeit, an die Vertreibung und Vernichtung der Juden herangeführt. Ihr autobiografischer Roman um die neunjährige Anna, deren Familie es auf der Flucht vor den Nazis erst in die Schweiz, dann noch Paris und schließlich nach London verschlägt, ist wie fürs Kino geschaffen - und Caroline Link zeigt einmal mehr, dass sie mit Kinderdarstellern zaubern kann. Annas bzw. Judiths Vater aber war der große Theaterkritiker und Hitlergegner Alfred Kerr - so feiert der Film auch die Entschlossenheit, frühzeitig glasharte Kante zu zeigen.

Buñuel im Labyrinth der Schildkröten

Doris Kuhn: Animationsfilm über die Entstehung der spanischen Dokumentation "Las Hurdes - Land ohne Brot" von 1933: Luis Buñuel führte Regie, sein Freund Ramón Acín gewann in der Lotterie und wurde Produzent. In seiner Nacherzählung setzt Salvador Simó bunten Zeichentrick gegen das Schwarzweiß von Originalausschnitten.

Cats

Susan Vahabzadeh: Taylor Swift, Idris Elba, Ian McKellen und Judi Dench in einem Film, das klang verheißungsvoll. Dann kam Regisseur Tom Hooper auf die Schnapsidee, sie in Katzenkostüme zu stecken und digital nachzubearbeiten. Weshalb sie jetzt aussehen wie Frankensteins fellige Monster. Musikalisch betrachtet ist "Cats" immer noch "Cats", visuell aber ein echtes Desaster.

Der geheime Roman des Monsieur Pick

Susan Vahabzadeh: Der Literaturkritiker Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) beleidigt in seiner Fernsehsendung eine Witwe: Hat ihr verstorbener Mann, ein Pizzabäcker, tatsächlich heimlich den Roman geschrieben, der jetzt die Sensation des Pariser Literaturbetriebs ist? Rouche fliegt raus, und weil er nicht gern unrecht hat, ermittelt er bald in der Bretagne. Dass Rémi Bezançons Bücherkrimi so amüsant ist, hat er vor allem dem stets indignierten Fabrice Lucchini zu verdanken.

Jam

Sofia Glasl: Ein Chauffeur, ein hysterischer Superfan und ein abgehalfterter Schnulzensänger bevölkern den Film des japanischen Regisseurs Sabu. Sie geraten in eine kleinkriminelle Abwärtsspirale. Sabu schafft es, in seinem Mix aus Komik und Gewalt diesen Unsympathen zu eigens komponiertem Schlagerkitsch etwas Menschliches einzuhauchen.

Jeanette: Kindheit der Jeanne d'Arc

Fritz Göttler: Die Heilige mit dem Headbanging, so wurde Bruno Dumonts Jeannette angekündigt, über die Kindheit der Jeanne d'Arc. Die zackigen Bewegungen der kleinen Jeannette und die Heavy-Metal-Musik von Igorrr ergeben eine verrückte, aber filmisch ganz natürliche Ekstase, durch die das Mädchen zur Aktivistin wird. In der Welt herrscht Verderben, und wie Greta Thunberg beklagt Jeannette, am sandigen Ufer der Maas, von ihren Schafen umgeben, dass nichts passiert, dass die Engländer Frankreich besetzen und ausbeuten. Sie lästert damit, das weiß sie, den größten alten Mann ganz oben. Wie's weitergeht, das wird man im zweiten Teil des Musicals erleben, der Anfang des nächsten Jahres startet.

Latte Igel: Der magische Wasserstein

Ana Maria Michel: Den Tieren im Wald geht das Wasser aus. Das mutige Igelmädchen Latte glaubt an die Legende vom magischen Wasserstein, der die Quelle wieder sprudeln lassen soll. Doch der Bärenkönig hat den Stein und will nicht teilen. Regina Welker und Nina Wels haben das Kinderbuch des Finnen Sebastian Lybeck fürs Kino adaptiert. Besonders schön: die detailreiche Animation und das Wasserballett der Bären.

Pavarotti

Martina Knoben: Ron Howard porträtiert Luciano Pavarotti als bodenständigen Superstar mit Lausbubencharme. Seine einzigartige Stimme erscheint als Gottesgeschenk. Über das Handwerk des Singens erzählt er zu wenig. Der kommerzielle Erfolg wirkt dem Sänger wie zugefallen. So übersetzt man Stadion-Klassik in einen Film.

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão

Annett Scheffel: Guida und Eurídice, zwei ungleiche Schwestern an der Schwelle zum Erwachsensein, leben im Rio de Janeiro der Fünfziger in enger Komplizenschaft gegen den konservativen Vater. Als sie voneinander getrennt werden, muss jede für sich ihren Platz in der patriarchalen Gesellschaft finden. Karim Aïnouz erzählt in satten Farben von diesen zwei Frauen, die nach Möglichkeitsräumen in einer Welt der Unmöglichkeiten suchen.

Small Planets

Philipp Bovermann: Wie in einer Schneekugel leben die Forscher abgeschottet inmitten der Arktis. Wenn sie die Station verlassen, müssen sie Gewehre mitnehmen, wegen der Eisbären. Diese und drei andere von der Außenwelt isolierte Gemeinschaften porträtiert Dirk Manthey. Er interessiert sich - subtil, manchmal fast ein bisschen zu subtil - für das, was Gemeinschaften ausschließen, um sich zu erhalten, für das, was jenseits der Grenze liegt.

Spione Undercover

Ana Maria Michel: Geheimagent Lance Sterling ist cool und elegant. Nur blöd, dass ihn die ganze Welt kennt. Ein junger Wissenschaftler hat eine Technologie entwickelt, die ihn verschwinden lassen kann. Als Sterling in Schwierigkeiten gerät, probiert er sie aus und verwandelt sich - in eine Taube. Nick Brunos und Troy Quanes Agententhriller im Animationsformat ist unterhaltsam, für das ganz junge Publikum aber etwas hart.

© SZ vom 27.12.2019
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