bedeckt München 24°
vgwortpixel

Neue Filme:Die Starts der Woche in Kürze

Diane Kruger spielt in "Die Agentin" eine Spionin im Auftrag des israelischen Geheimdienstes. Und Gerard Butler muss in "Angel Has Fallen" mal wieder den US-Präsidenten beschützen.

Die Starts ab 29. August auf einen Blick. Rezensionen ausgewählter Filme folgen.

Die Agentin

Fritz Göttler: Mit ihrem Kopftuch wirkt sie manchmal wie eine Madonna, das Gesicht ist verhärmt, und das Haar ist diesmal dunkel gefärbt, nicht blond. Diane Kruger ist die Agentin Rachel im Film von Yuval Adler, losgeschickt vom israelischen Geheimdienst Mossad, unter anderem nach Teheran, daher das Kopftuch, um einen Firmenchef unter Druck zu setzen. Agentenfilme sind Scharaden der Ausweglosigkeit, in denen diverse Einsamkeiten aufeinanderstoßen, und Rachel muss einsehen, dass sie nur noch durch das Morden kommunizieren kann.

Angel Has Fallen

Sofia Glasl: Das Weiße Haus und London sind bereits erfolgreich demoliert. Nun schickt Ric Roman Waugh Gerard Butler zum dritten Mal als Bodyguard des Präsidenten los. Doch die beiden Vorgängerfilme mit Hang zur Propaganda haben ihn ziemlich mitgenommen. Posttraumatischer Stress und enttäuschende Vaterfiguren machen ihm zu schaffen - und beleben fast nebenher die bisher schablonenhafte Reihe.

Becoming Animal

Philipp Stadelmaier: Emma Davie und Peter Mettler begleiten den Philosophen David Abram auf mehreren Trips in die Natur. Aufnahmen von Tieren, Bäumen und Landschaft begleiten sein eindrucksvolles Plädoyer für die netzwerkartige Verbindung von Mensch und nicht-menschlicher Welt, die ebenso atmet, handelt, reflektiert, Bewusstsein hat. Ein wohltuender, sensibilisierender, inspirierender Film.

Carmine Street Guitars

Wolfgang Luef: Eine Gitarrenwerkstatt in New York, ein wortkarger Inhaber und seine Kunden, die hereinkommen und ein paar Takte spielen, darunter Jim Jarmusch sowie Mitglieder der Bands von Bob Dylan und Patti Smith: Regisseur Ron Mann ist eine liebevolle, geradezu paradox stille Musikdoku gelungen, weil er vor allem an den Dingen interessiert ist, die um die Instrumente herum passieren. Geschichten über Musik, die Faszination für altes Holz, und die Sehnsucht nach ehrlichem Handwerk in einem oft verlogenen Business.

Frau Stern

Anke Sterneborg: Die betagte Dame ist eigenwillig und cool, sie trägt viele Falten im sonnengegerbten Gesicht, langes, silbergraues Haar, sie raucht und trinkt. Sie hat den Holocaust überlebt und beschließt am 90. Geburtstag, dass es nun genug sei. Doch je mehr sie unternimmt, um ihr Leben zu beenden, desto reizvoller erweist es sich. Die fiktive Frau Stern und die reale Ahuva Sommerfeld, die sie in ihrem späten Leinwanddebüt verkörpert, überlagern sich. Anatol Schuster hat die Geschichte aus ihrer zähen Persönlichkeit destilliert. Nun startet der Film posthum, im Februar ist Ahuva Sommerfeld gestorben.

Golden Twenties

Jan Jekal: In ihrem bemerkenswerten Regiedebüt "Golden Twenties" zeigt Sophie Kluge den Berliner Kulturbetrieb vom unteren Ende der Nahrungskette aus. Die Mittzwanzigerin Ava (Henriette Confurius) ist Hospitantin am Theater, also Mädchen für alles und nichts; sie wird wahlweise ignoriert, degradiert oder angebaggert und erträgt die Herablassungen mit stoischer Würde. Kluges Tragikomödie solidarisiert sich mit der Ausgebeuteten, der nichts anderes übrig bleibt als ständig "Mach ich" und "Macht nichts" zu sagen und dabei zu lächeln.

A Gschicht über d'Lieb

Maresa Sedlmeir: S'isch wies isch - nämlich eine Liebesgeschichte auf Schwäbisch. In seinem Langfilmdebüt erzählt Peter Evers von Gregor und Maria. Sie sind die Kinder des Bacherbauern. Maria soll heiraten, doch sie liebt ihren Bruder und der liebt sie. Die vermeintliche Idylle des kleinen Dorfs in Baden-Württemberg schwindet. Zwei tolle Hauptdarsteller in einer schrecklich-schönen Geschichte, die zugleich ein Portrait der Fünfzigerjahre ist.

Late Night

Susan Vahabzadeh: Katharine Newbury (Emma Thompson) ist eine großartige Komikerin, aber für sie zu arbeiten ist gar nicht lustig. Schon ewig ist sie abends die Königin des amerikanischen Fernsehens, aber nun sinken die Quoten. Ihr Autorenteam ist ein Trupp nicht mehr ganz junger weißer Männer, und nun soll Molly (Mindy Kaling) frischen Wind in die Sendung bringen. Erst mal geraten sie aneinander, dann ziehen sie ihr eigenes Ding durch. Nisha Ganatras Komödie unter Frauen ist hübsch, aber gegen Ende eine wenig süßlich.

Mein Lotta-Leben

Ana Maria Michel: Lotta ist weder besonders cool, noch besonders begabt, aber das macht nichts. Die Elfjährige will nicht sein wie alle anderen. Auf die Party der eingebildeten Berenike will sie aber schon, obwohl sie nicht eingeladen ist. Und dann verkracht sich Lotta auch noch mit ihrer besten Freundin. Die Story ist vor allem fürs junge Publikum, Lottas magische Flöte und ihre Frechheit bringen Schwung in Neele Leana Vollmars witzige Adaption der Buchreihe.

Paradise Hills

Doris Kuhn: Die Zukunft ist hart für böse reiche Mädchen. Wer sich nicht so benimmt, wie es die Eltern gutheißen, kommt in ein therapeutisches Wellness-Hotel auf einer Insel. Das ist nichts anderes als ein Knast für Schwererziehbare, nur dass Alice Waddington ihn in ihrem Thriller futuristisch verbrämt. Was dort passiert, zeigt trotzdem ein bekanntes Muster. Selbst luxuriös verpackter Druck erzeugt Gegendruck, und ein Befreiungskomplott lässt sich besonders gut in weißen Tüllkleidern schmieden.

Playmobil - Der Film

Josef Grübl: Der Filmtitel sagt bereits alles über den Inhalt. Hier geht es um jene siebeneinhalb Zentimeter großen Spielzeugfiguren, die seit den Siebzigerjahren in jedem gut sortierten Kinderzimmer herumliegen und die jetzt ähnlich wie die Konkurrenz von Lego Leinwandabenteuer erleben. Lino DiSalvo erzählt von einem Geschwisterpaar, das sich verliert und viele Spielzeugthemenwelten durchqueren muss, die Wikingerzeit, den Wilden Westen, das alte Rom. Wer da eine verkaufsfördernde Aktion vermutet, hat wohl recht, ansonsten ist es wie im Kinderzimmer. Auch da kämpfen Ritter gegen Geheimagenten gegen gute Feen. Es geht also nur ums Spielen, nicht um Sinn oder Story.

Prélude

Helmut Mauró: Die Regisseurin Sabrina Sarabi lässt zunächst alles in der Schwebe. Wird aus dem jungen Mann ein Starpianist oder ein katastrophaler Loser? Wird er sich gegen die zwischen Strenge und Sadismus changierende Klavierlehrerin behaupten? Quält er sich am Ende selber am meisten, durch überzogene Ansprüche an sich selbst? Das Problem: Am Ende ist immer noch alles in der Schwebe, und der junge Mann hat sich mit einer Wäscheleine erhängt. Dazwischen oft langatmige Szenen, klischeebeladen, nicht aus der realen Situation einer Musikerentwicklung heraus gestaltet. Gesangsstudentinnen können nicht singen, die Pianisten haben kein Profiniveau, und die angedeutete Liebesgeschichte funktioniert auch nicht. Das führt mitunter zu pseudopoetischen, banalen Szenerien. Man schaut sich oft und lange ins Gesicht, was nicht immer so vielsagend ist, wie es wohl sein soll, also weder dramatische noch poetische Funken schlägt. Am Ende fühlt man sich ein bisschen wie der Held des Films, um die eigentliche Geschichte betrogen.