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Neue Drake-Single:Drake lädt Kanye und Jay-Z zum Protz-Rap-Battle

Die drei Granden des Rap: Kanye West, Jay-Z, Drake (v.l.n.r.).

(Foto: AFP, AP, dpa, Bearbeitung SZ.de)

Der kanadische Rapper haut seine neue Single "Pop Style" raus. Und wir lernen: Zwei Zeilen sagen mehr als ein ganzer Diss-Track.

Off the Record: die Pop-Kolumne von Julian Dörr

"We learned more from a three minute record than we ever learned in school", sang Bruce Springsteen 1984. Und das stimmt auch heute noch. Pop kann uns die Welt erklären - in unserer neuen wöchentlichen Musik-Kolumne.

Während Kanye West weiter an "The Life of Pablo" werkelt, seinem streambaren Kunstwerk für immer in the making, zittert die Pop-Welt schon wieder ganz neuen Veröffentlichungen entgegen. Beyoncé soll dieser Tage ihr neues Album veröffentlichen und auch Drakes "Views from the 6" ist wohl nur noch wenige Tage vom Launch entfernt.

Aber hey, geplante Releases, Marketing-Plan, wer braucht denn sowas? Ist sowieso voll 2013, als Beyoncé kurz vor Weihnachten mit ihrer Überraschungsplatte die iTunes-Server zerlegte. Dafür tröpfelt das neue Drake-Album gerade Song für Song ins Internet - sei es auf legalem oder illegalem Weg. Und wir ewig Wartenden saugen begierig jedes neue Gerücht auf. Nun gibt es harte Fakten: eine tatsächliche Single-Veröffentlichung - noch dazu im Doppelpack.

Der tapsigste Diss der jüngeren Rap-Geschichte

"One Dance" heißt der eine Song, eine Kollaboration mit dem jungen nigerianischen Künstler Wizkid. "Pop Style" heißt die andere, Drake zusammen mit "The Throne". Hinter diesem Alias steckt niemand geringeres als die beiden selbst gekrönten Könige des Rap, Jay-Z und Kanye West. Ein absolutes Gipfeltreffen des Rap also: der größte Popstar unserer Zeit (Kanye), der beliebteste Rapper dieser Tage (Drake) und der große Altmeister und Entdecker (Jay-Z).

Vor einigen Wochen tauchten die beiden schon im ersten Vorgeschmack zu "Views from the 6" auf - in Drakes Zeilen. Auf "Summer Sixteen" heißt es im vielleicht tapsigsten Diss der jüngeren Rap-Geschichte: "I used to wanna be on Roc-A-Fella then I turned into Jay/ Now I got a house in LA, now I got a bigger pool than Ye/ And look man, Ye's pool is nice, mine's just bigger's what I'm saying." Früher wollte er auf seinem Label sein, heute sei er selbst so groß wie Jay-Z. Und einen größeren Pool (man ersetze durch ein anderes P-Wort) als Kanye habe er auch. Drollig.

Eine kleine, herzensreine Stichelei ist das also zwischen den Granden des Rap. Aber maximal harmlos. Dafür verdanken sie sich einfach zu viel. Und deshalb ist "Pop Style" eigentlich auch eher lahmer Protz-Rap, ein Maybach, der zwar mit vergoldeter, aber dennoch angezogener Handbremse durch die Straßen rollt. Vorne Drake, hinten Kanye, die sich gegenseitig aufsagen, warum sie jetzt die Allergeilsten sind.

Gibt es den kompletten Jay-Z etwa nur bei Tidal?

Und was macht Jay-Z? Der pfeffert mittenrein einfach zwei Zeilchen und lehnt sich den Rest der Fahrt entspannt zurück: "They still out to get me, they don't get it/ I can not be got, and that's a given." Soll heißen: Tschüss, ihr Loser. Ist das alles, was er zu sagen hat? Gibt es Jay-Zs komplette Strophe nur exklusiv bei Tidal? Nein, Jay-Z liefert damit ein großes Statement mit Beispielcharakter für das richtige Leben. Während die anderen schreien und protzen und poltern, einfach mal die Klappe halten.

Denn: Was Drake und Kanye eint, ist die Angst, von keinem ernst genommen zu werden. Drake, der notorisch uncool-coole Softie, und Kanye, das verkannte Jahrhundert-Genie. Daher der Mitteilungsdrang. Und wer ist der Seriöse der Bande? Richtig, Jay-Z. Aber der macht ja auch das, was gute und anständige Amerikaner machen, nämlich verdammt erfolgreiche Unternehmer sein.

Warum sind Drake und Kanye dann doch seit Jahren die relevanteren Künstler? Weil seriös am Ende doch einfach langweilig bedeutet. "One Dance" ist übrigens ein Knaller.

Drake (feat. The Throne): "Pop Style" (exklusiv bei iTunes, Apple Music, Tidal)

© SZ.de/cag/holz
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