Ausstellung für Widerstand gegen Hitler:Erstaunlich weit ins Detail

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Das Bildschirm-Angebot geht erstaunlich weit ins Detail. So kann man im Raum zur "Roten Kapelle" die Ermittlungsakten der Gestapo einsehen und verfolgen, welche kriminalpolizeilichen Anstrengungen unternommen wurden, mehr über Verfasser und Absender der Denkschrift "Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk" herauszubekommen.

Weil es hier von Rätsel zu Rätsel geht, liest man unwillkürlich immer weiter. Aber ob es viele gibt, die das Urteil des Reichskriegsgerichts gegen Harro Schulze-Boysen stehend am Bildschirm studieren, mehr als zwanzig Seiten in enger Maschinenschrift?

Auch wenn die neue Ausstellung leichter und luftiger daherkommt als die alte, so hat sie das Materialproblem nicht abschütteln können. Sie ist ein Buch zum Widerstand geblieben, mit kurzen Einführungen, Quellentexten und Bildern. Das Ganze hochkopiert und an die Wand gehängt oder eben digital gespeichert.

Das ist allerdings leichter festgestellt als geändert. Konspirative Kräfte hinterlassen keine optischen Sensationen. Es kann wohl nur darum gehen, die Quellen so vorzustellen, dass die Besucher der Ausstellung anfangen, sich darin zu vertiefen.

In fast allen Räumen liegen wichtige Texte zum Mitnehmen aus: Die Regierungserklärung, mit der die Verschwörer des 20. Juli sich an die Deutschen wenden wollten, und die Denkschrift Schulze-Boysens, von Galens Predigt gegen die Euthanasie oder die "Grundlagen des Staatslehre", die der Kreisauer Kreis erarbeitet hatte.

Erfahrbare Dringlichkeit

Gewiss gibt es das alles längst im Netz. Aber das Faksimile der Typoskripte, eng beschrieben, mit Fehlern, Unsauberkeiten und Korrekturen, hat etwas von der Dringlichkeit, die den Netzdokumente in ihrer selbstverständlichen Allverfügbarkeit abgehen.

Der Begriff des Widerstands ist in der Dauerausstellung weit gefasst. Auch die Swing-Jugend gehört dazu. In Hamburg erlaubte sie sich 1941, den fiktiven "Reichsstatistenführer" mit Pomp am Hauptbahnhof zu empfangen und in der Kutsche zur Alster zu fahren. Man könnte es als einen couragierten Ulk sehen. Liest man aber die wutbebende Reaktion Himmlers, der KZ-Haft von zwei bis drei Jahren fordert ("dort muss die Jugend erst einmal Prügel bekommen"), dann denkt man anders darüber.

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