Neu im Kino: "Kung Fu Panda" Und die Größe zählt doch

Ein Trickfilm bringt zwar auch den dicksten Helden zum Fliegen - aber gegen die tranige Art des Pandabären sind alle Effekte machtlos: Star von "Kung Fu Panda" ist ein anderer.

Von Susan Vahabzadeh

Es liegt in der Macht der Animation, die Schwerkraft aufzuheben, ohne dass es einem künstlich vorkommt. Der Trickfilm hat seine eigenen Gesetze, alles Artifizielle scheint sich da gegenseitig aufzuheben.

Vielleicht doch ein bisschen zu behäbig als großer Held: Kung Fu Panda.

(Foto: Foto: dpa)

Also wirkt die Zeichentrickwelt oft natürlicher als die am Computer nachbearbeiteten Actionsequenzen im Realfilm. Der dicke Kampfpanda Po ist mindestens so glaubwürdig wie, sagen wir mal, Halle Berry als "Catwoman".

Po wohnt in einem wunderschönen chinesischen Tal, sein Dorf liegt am Fuße jenes Bergs, auf dem die batmanmäßig verehrten Meister der chinesischen Kampfkunst ihr Trainingslager haben.

Mangel an Familienähnlichkeit

Sie sind die Superhelden einer chinesischen Traumzeit, und Po besitzt die dazugehörigen Merchandising-Produkte - die Püppchen der fünf Anwärter auf den Status des großen Drachenkämpfers: Tigerin, Kranich, Gottesanbeterin, Viper, Affe -, die ihn inspirieren zu seinen Heldenphantasien: in denen er mit ihnen das Böse bekämpft als der sechste im Bunde.

Er jobbt aber nur im Restaurant seines gefiederten Vaters, der sich konsequent weigert, den Mangel an Familienähnlichkeit zur Kenntnis zu nehmen.

Sein einziger Sohn soll eines Tages den Laden übernehmen und zur Übung schon mal die berühmte Nudelsuppe oben auf dem Berg servieren, während der neue Drachenkämpfer erwählt wird. Es erwischt natürlich keinen der fünf durchtrainierten Kandidaten, sondern Po.

Das Böse ist nicht therapierbar

Damit werden die Prinzipien des Martial-Arts-Kinos auf den Kopf gestellt: Die Idee ist ja eigentlich, dass die Kampfkunst Größe und bloße Kraft überflüssig macht. Es ist aber gerade seine Statur, die Po in der filigranen Welt des Tals, zwischen zierlichen Möbeln und zarten Bewohnern, zum Außenseiter macht.

Eine actiongeladene Geschichte, in der einem manche Sequenzen inzwischen bekannt vorkommen - herabstürzende Hängebrücke, düstere Festung ... Es beginnt die Jagd auf den fiesen weißen Tiger, der war einst Shifus Lieblingsschüler und ist nun besser als die anderen Kämpfer zusammen.

Dass ihn ausgerechnet Po besiegen soll, können die anderen nicht glauben - Eifersucht und Versöhnung, Wettbewerb und Zusammenhalt muss Shifu in seiner Truppe erst mal in Balance bringen, immer auf der Suche nach dem guten Kern, den er in jedem vermutet. Das Böse aber erweist sich hier als nicht therapierbar.

Nicht besonders spritzig

"Kung Fu Panda" ist die inzwischen erprobte Dreamworks-Mischung aus kindertauglichem Charme und komplexem Zitatkino.

Allerdings ist Po vielleicht doch ein bisschen zu behäbig als großer Held - der Trickfilm bringt ihn zwar zum Fliegen, aber gegen seine tranige Art sind alle Effekte machtlos.

Im Vergleich zu anderen Dreamworks-Geschöpfen, den impertinenten Pinguinen in "Madagascar" oder dem pfiffigen Waschbären in "Ab durch die Hecke", wirkt er nicht besonders spritzig.

Der kleine Meister Shifu, im Orginal von Dustin Hoffman gesprochen - und ihm, in seiner wendigen Winzigkeit und seinem spröden Humor nachempfunden - ist der eigentliche Star. Eine chinesische Variante von Yoda, cool, klein, weise, und von Hoffman beseelt - wie wichtig der Schauspieler ist, der Pate stand für eine Trickfigur, das ist immer wieder faszinierend.

Kung Fu Panda, USA 2008 - Regie: John Stevenson, Mark Osborne. Buch: Jonathan Aibel, Glenn Berger. Im Original mit den Stimmen von Dustin Hoffman, Jack Black, Angelina Jolie, Jackie Chan, Lucy Liu. Universal Pictures, 92 Min.