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Neu auf DVD:Extreme Vorurteile

Altmeister Jean-Luc Godards neuer Film "Bildbuch/Le Livre d'image". Dazu Film-Raritäten und eine Doku über den Verpackungskünstler Christo.

Erzähl mir was, lüg mich an - der schreckliche, der tröstliche Satz, der dem Kino von Anfang an zugrunde liegt. Johnny Guitar sagt ihn, als er nach Jahren wieder vor der Frau steht, mit der eine heftige Liebe ihn verbindet, im gleichnamigen Western von Nicholas Ray: Sag mir, dass du gestorben wärst, wenn ich nicht zurückgekommen wäre. Und die Frau sagt es mit versteinertem Gesicht. Jean-Luc Godard ist immer wieder zurückgekommen auf diese Szene, auch in seinem neuen Film zeigt er sie, "Bildbuch/Le Livre d'image", in dem es wieder darum geht, was Bilder sind und Töne und Worte, und welche Wahrheit es geben mag in der Welt. Der Film blickt primär auf diese Welt durch Kinobilder, die klassischen aus Hollywood und durch uns fremde aus Filmen des 'Orients'. Godard selbst spricht den Kommentar, auf Deutsch, gebrochen und mit Nachhall, manchmal raunend und kaum verständlich, als wüsste er gar nicht so richtig, was er sagt, - das Bildbuch ist ein Dokument der Vergänglichkeit. Am Ende erteilt er Anne-Marie Miéville, seiner Lebenspartnerin, das Wort: 'Die Erde, verlassen, überladen mit Buchstaben des Alphabets, erstickt unter all dem Wissen, und da ist kaum noch ein Ohr, das hören könnte ...' (Grandfilm / Absolut Medien)

Ein Film, gerettet aus dem schwarzen Loch des 20. Jahrhunderts, "Frauen für Fort Del Toro", 1945, von Hugo Fregonese und Lucas Demare. Ein wilder Western aus Argentinien über die Anstrengungen, die 'Pampa barbara' zu zivilisieren und fruchtbar zu machen. Weil die Soldaten immer wieder desertieren, sollen Frauen zum Fort Del Toro geschafft werden. Alle Figuren sind stoisch und stur, von hartem Stolz. Fregonese gehört längst entdeckt, er hat sich früh an Hollywood orientiert und dort gelernt, in den Sechzigern hat er dann für Artur Brauner "Old Shatterhand" und "Dr. Mabuse" gemacht. (Western Perlen)

Noch einmal reanimierte Kinogeschichte: "Der Prinz und der Dybbuk", von Elwira Niewiera und Piotr Rosolowski. Das Leben des Michał Waszyński, der, in einem ukrainischen Stetl geboren, erfolgreich jiddische Filme schuf - sein 'Dybbuk' ist ein Meisterstück des fantastischen Kinos -, in die Kämpfe des Weltkriegs verwickelt wurde, nach Italien kam und dort blieb, eine fürstliche Existenz, im Gegenlicht, eine Visconti-Figur. Er war bei "The Barefoot Contessa" dabei, mit Ava Gardner, hat dann die letzten großen Produktionen von Nicholas Ray und Anthony Mann gemanagt, das römische Forum aufgebaut. Die Erinnerungsschwaden der Kinogeschichte. (Edition Salzgeber)

Ein Actionfilm, ganz aus Erinnerungen zusammengeflickt, "Extreme Prejudice", 1987, von Walter Hill. Nick Nolte ist als Cop im amerikanisch-mexikanischen Grenzland hinter einem Drogenboss her, der sein Jugendfreund ist. Sie lieben die gleiche Frau. Auch ein Trupp junger Veteranen ist auf ihn angesetzt. Das Actionkino haben die jungen Amerikaner über einen Umweg erlebt, durch Kurosawa und sein Shakespeare-Pathos. Powers Boothe, der den Jugendfreund spielt, hat Walter Hill einen Hamlet von Texas genannt. (Koch Films)

Das neuste Werk des 'Verpackungskünstlers' Christo, die Floating Piers im italienischen Lago d'Iseo, gelb bespannte Stege, die die Besucher auf Wasser wandeln lassen. "Christo - Walking on Water" heißt der Film von Andrey Paounov, der von diesem Unternehmen erzählt und von der magischen Figur Christo. Natürlich drängelt auch hier sich die aktuelle Geschichte herein, eines Morgens meldet das Radio, dass die Briten sich für den Brexit entschieden hätten. Ojojoj, meint Christo lakonisch, da werden sie nur darüber berichten, nicht über uns. (Alamode)

Erschreckendes aus England, britischen Isolationismus pur gibt es in zwei Filmen von Terence Fisher, "Insel des Schreckens" und "Brennender Tod". Fisher hat legendäre Dracula- und Frankenstein-Filme geschaffen, aber in den Sechzigern dann diese zwei minimalistischen SF-Filme gedreht. Auf Inseln vor der Küste kämpfen tapfere Dörfler gegen tödliche Monster, selbst gemacht im ersten Film, durch wissenschaftlichen Ehrgeiz, Aliens aus dem Weltraum im zweiten. Diese plumpen Monster sorgen im zweiten Film für unerträgliche Temperaturen, während in ganz Europa strenger Winter herrscht. Christopher Lee als Wissenschaftler und Peter Cushing als Dorfarzt - oft an der Theke des Gasthauses zu sehen, mit einem Glas Lager vor sich - versuchen es mit Rettungsaktionen. Fischer schildert liebevoll das Dorfleben. Alle haben ständig schweißige, erhitzte Gesichter. Zu Beginn kommt Angela (Jane Merrow) ins Dorf, die einst die Geliebte des jungen Wirts war, aber kurz davor muss sie stoppen, weil ihr Kühler kocht. (Koch Films)