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Netz-Depeschen:Wenn das Internet Denken lernt

Suchmaschinen können in die Verwzweiflung treiben. Manchmal verstehen sie partout nicht, was man sucht. Denn der Monat unterscheidet sich hier leider nicht vom Namen "August". Mit dem semantischen Web soll das besser werden und das Internet ein bisschen intelligenter.

Franziska Schwarz

Ein Prozent aller Suchanfragen im Internet sind angeblich Rezepte. Das Angebot im Netz lässt Kochbücher ziemlich alt aussehen: Ein Blogger kocht Essen aus Fantasyromanen nach, ein anderer backt nur vegan. Sogar die Sendungen der Köchin Julia Child aus den sechziger Jahren sind auf YouTube zu finden. Als Klassiker gilt das Video, in dem sie das perfekte Omelett zubereitet.

Bündnis Microsoft und Yahoo gegen Google

An der Trefferoptimierung wurde in den letzten Jahren viel gearbeitet. Das semantsiche Web verspricht jedoch noch viele Verbesserungen.

(Foto: dpa)

Vermutlich weil Essen fast jeden interessiert, sind Rezeptsuchmaschinen technisch auch recht weit entwickelt: Die Seite "Yummly.com" etwa erlaubt die Suche entlang von Geschmacksrichtungen. Bei Googles "recipe search" kann man die Rezepte nach Kochzeiten ordnen lassen, ungeliebte Zutaten herausfiltern oder sogar nach der gewünschten Kalorienzahl suchen.

All das ist möglich, weil diese Suchmaschinen mit der sogenannten "semantischen Suche" arbeiten, mit der verschiedene Bedeutungen eines Wortes differenziert werden sollen, um präzisere Suchergebnisse zu erreichen. Normalerweise unterscheiden Suchmaschinen nicht zwischen dem Sommermonat "August" und dem Vornamen "August" - sie bieten immer beide Alternativen an. Der Gedanke hinter dem "semantischen Internet" ist, dass Computer die Bedeutung von Netzinhalten erkennen und die flottierenden Informationen intelligent verknüpfen können. Denn was nützt es, wenn die Daten im Netz zwar potenziell vorhanden sind, der Suchende aber die falschen Begriffe eintippt, wenn er sie finden will?

Google, Microsoft, Yahoo und seit einiger Zeit auch die russische Suchmaschine Yandex arbeiten mittlerweile sogar gemeinsam an Lösungen für das semantische Netz: Das Projekt "Schema.org" stellt etwa 300 Chiffren bereit, mit denen Inhalte ausgezeichnet werden sollen. Die Nutzer sollen im HTML-Code der Webseiten zum Beispiel angeben, ob es um eine Person, eine Organisation oder ein Ereignis geht. Die Kategorien reichen von "familienfreundlich" bis "Filmlaufzeit" - je mehr Tags ein Nutzer verwendet, desto besser für die Präzision seiner Suche.

Bereits vor zwei Jahren führte Google einen Vorläufer der semantischen Suche ein, die "rich snippets" für den Hypertext. Das Tool sorgte bei Food-Bloggern allerdings für einige Unruhe: Viele tauchten nach eigenen Angaben nicht mehr ganz oben in den Trefferlisten auf, weil sie die "rich snippets"-Infos nicht eingebaut hatten. So mancher aus der Netzgemeinde, die sich stets um die Suchmaschinenoptimierung sorgt, befürchtet deshalb, dass Webseiten die keine semantischen Metadaten beinhalten, bald gar nicht mehr zu finden sein werden. Googles "recipe search" allerdings entdeckt ein Omelett, das weniger als 100 Kalorien hat, weder Eigelb noch Speck enthält und auch übriges Fett nur in mikroskopischen Spuren. Sollten Rezepte wie diese in Zukunft verschwinden, wäre der Verlust wohl zu verkraften.

© SZ vom 21.11.2011/rela
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