Netz-Depeschen Kümmert euch endlich um diese Erde!

Es ist im Internet nicht mehr oft so, dass Medium und Mentalität so logisch, fast zwingend zueinander finden wie in diesem Fall. Doch der Groß-Komplex "Klimakatastrophe", im Englischen "Global Warming", führt noch einmal zusammen, was im Web seit seinen Anfängen zusammengehört: Information und Interaktion.

Von Bernd Graff

Hier: Ein globales Szenario, das verändert werden kann, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. Und die erprobte Ambition der alten Netzkirche von unten, die abseits von Autoritäten und eingetretenen Pfaden auf unmittelbare Beteiligung, Aufklärung und Information des Einzelnen setzt. Das Phänomen des Global Warming also mobilisiert noch einmal die Old-School-Pioniere und wirkt wie ein Appell an den Spirit der Netizens.

Viele Seiten haben im Netz nur eine einzige Botschaft: Kümmert euch endlich um diese Erde!

(Foto: Foto: dpa)

So suchen und finden gerade Daten und Depeschen ihren Weg durchs Netz, die oft stoisch empirisch, dann aber auch phantasievoll formuliert sind, in ihrem Kern aber nur eine einzige Botschaft beinhalten: Kümmert euch endlich um diese Erde! Wir tragen zwar Schuld an ihrem Zustand, doch noch haben wir es in der Hand, ihn zu ändern

Da gibt es unzählige Seiten mit klar aufklärerischem und pädagogischem Auftrag. Etwa die Seiten des "EdGCM Project", die offiziell gefördert werden und für Schüler und Studenten sogar eine eigens programmierte Simulationssoftware anbieten, um den Grad der Klimaveränderungen an jedem Rechner nachvollziehbar zu machen.

Ein Zusammenschluss von ambitionierten Wissenschaftlern und NGOs hat eine interaktive Weltkarte erstellt, die Klimastatistiken und -Veränderungen Kontinent für Kontinent auflisten und weit reichende Hintergrundinformationen bieten.

Die "Union of Concerned Scientists", die an diesem Kartenwerk mitgearbeitet hat, listet zudem akribisch gesammelte Details zu den "Fingerabdrücken", die der Verursacher Mensch im Klima hinterlassen hat.

Die tatsächlich dem US-Wirtschaftsministerium unterstellte "National Oceanic and Atmospheric Administration" ist ein guter Startpunkt. Ihre FAQ-Seite führt Punkt für Punkt durch die komplexe Problematik.

Der lesenswerte Aufsatz von William Ruddiman, "How Did Humans First Alter Global Climate?", im März 2005 in Scientific American erschienen, erörtert unter anderem, warum sich Politiker heute nicht intensiver mit den Treibhaus-Effekten auseinandersetzen.

Ruddimans Argument: Die Wissenschaft habe zu lange das Gegenteil, eine baldige Eiszeit, als Nahprognose für unsere Erde ausgegeben. Selbstverständlich, weil erwartbar, ist auch im weiteren Umfeld des ausgezeichneten Al Gore-Films " AN INCONVENIENT TRUTH" eine Art Mikro-Community entstanden, die sich weitläufig mit den Menschen gemachten Problemen befasst. Unmittelbar appellativ verfährt die "stopglobalwarming.org" ( ), die zu einem "virtuellen Marsch" durch die Instanzen und zum Kauf von Gewissens-Merchandise aufruft.

Dass das Gefühl unmittelbarer Bedrohung auch zu zynisch-kritischen, dabei höchst artifiziell umgesetzten Beiträgen stimulieren kann, belegen einige der inzwischen 12400 Videos zum Thema bei Youtube. Hervorgehoben seien zum einen der "Horror-Strip" von J. Rinker, die "Al Gore's Travelin' Global Warming Show" und das in Eindringlichkeitsschwarzweiß getauchte Furios-Statement des Unterhaltungs-Allrounders "2 the Ranting Gryphon".

Er kommt unter konvulsivisch hervorgestoßenen Wortkaskaden zu dem Schluss, dass man die Erde schon deswegen retten müsse, um anschließend weiter unterschiedlicher Meinung über die Ursachen der Klima-Katastrophe sein zu können. Wen dieses Video noch kalt lässt, der leugnet auch den Treibhauseffekt.