"Neapels Unterwelt" von Ulrich van Loyen Gemeinschaft der verlorenen Seelen

Neapel, Sanità: Hier begann Ulrich van Loyen seine Stadterkundung.

(Foto: Andreas Fischer/SZ Photo)

Warum in Neapel die Gentrifizierung nicht gelang? Ulrich van Loyen findet eine Antwort in der Unterwelt und im Totenkult, der Lebende und Verstorbene verbindet.

Von Thomas Steinfeld

Der kürzeste und schnellste Weg aus der Altstadt von Neapel hinauf zum Königsschloss auf dem Capodimonte führt über eine Brücke. Sie ist nicht lang, nur wenig mehr als hundert Meter. Doch ist sie von großer Bedeutung, und zwar nicht nur, weil sie die nördlichen Stadtviertel erschließt. Sie isoliert auch den Stadtteil Sanità, der, seit es diese Brücke gibt, also seit Joachim Murat, der Schwager Napoleons, über die Stadt herrschte, unter den Pfeilern in Altertümlichkeit und Armut verharrt. Auf dieser Brücke ...