NDR: Affäre Heinze Die armen Kinder von Schwerin - Justiz ermittelt

Der Staatsanwalt ermittelt gegen Doris J. Heinze. Verdacht: Betrug. Die einstige NDR-Fernsehspielchefin brachte unter Pseudonym Drehbücher ein.

Von N. Richter

Sie war eine Größe des deutschen Fernsehsystems, die mit den von ihr verantworteten Filmen ihrem Arbeitgebner NDR und damit der ARD zu Quoten verhalf. Unter ihrer Ägide stieg Maria Furtwängler zur Tatort-Kommissarin auf.

Nun aber wäre ihr Leben selbst Stoff für ein Kriminalspiel. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat am Freitag gegen Doris J. Heinze, 60, die langjährige Fernsehspielchefin des NDR, ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdacht eingeleitet.

Die vom Dienst suspendierte frühere NDR-Tatort-Chefin soll in drei Fällen dem Hamburger Sender Stoffe unter anderem Namen ("Marie Funder") verkauft und sich dadurch einen wirtschaftlichen Vorteil beschafft haben. Wenn sie die Skripte unter ihrem Namen geschrieben hätte, wäre sie nur nach dem Haustarif bezahlt worden, das wären rund fünfzig Prozent weniger gewesen.

Wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage erklärte, habe am Freitagmorgen ein Treffen zwischen Vertretern des NDR, des Medienunternehmens MME, der Staatsanwaltschaft und der Polizei stattgefunden. Es ging dabei um die Drehbücher für "Die Freundin der Tochter", "Dienstage mit Antoine" (der nie verfilmt wurde) sowie das Treatment zum Polizeiruf 110 "Die armen Kinder von Schwerin".

Offenbar ist Heinze hier unter Pseudonym als Autorin aufgetreten. Die seiner Meinung nach schüttere Qualität der Polizeiruf-Folge erregte den damaligen Kommissar-Darsteller Uwe Steimle derart, dass er sich bei einer Produzentin beschwerte. Er musste zum Rapport beim NDR antreten - und verlor später seine Rolle in dem ARD-Krimi.

In die Affäre ist auch Heinzes Mann Claus Strobel verstrickt, der unter dem Alias-Namen "Niklas Becker" Drehbüchers fürs Programm des NDR lieferte und sie bezahlt bekam. Real ist Monika von Lüdinghausen, eine Freifrau, die in der Nähe von Starnberg lebt. Sie soll auch Drehbücher geschrieben haben, ist aber eher als Gesundheitsberaterin bekannt. Teil des Systems war auch die Produktionsfirma Allmedia, die zu MME gehört.

Maria Furtwängler bedauert, dass sie nun nicht mehr mit der vom Sender gefeuerten Expertin Heinze zusammenarbeiten kann. Gemeinsam hatte sie die Figur der Kommissarin Charlotte Lindholm entwickelt."Es wird nicht leicht sein", sagt sie der Süddeutschen Zeitung, "einen ähnlich kompetenten Gesprächspartner zu finden". Sie fürchtet, dass nun "zusätzliche Kontrollinstanzen kommen, die die Kreativität lähmen".

Das sieht "Marie Funder" bestimmt genauso.