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Nazi-Raubkunst:Baden-Württemberg gibt Gemälde zurück

Blick auf das Kloster Sta. Scolastica bei Subiaco von Carl Blechen aus dem Jahr 1832.

Das Gemälde "Blick auf das Kloster Sta. Scolastica bei Subiaco" aus dem Jahr 1832 von Carl Blechen ist in das Eigentum der Nachkommen des jüdischstämmigen Verlegers Rudolf Mosse übergegangen.

(Foto: dpa)
  • Ein Gemälde von Carl Blechen (1798-1840), das nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zwangsversteigert worden war, ist seinen rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben worden.
  • Das Land Baden-Württemberg hatte das Bild 1969 für die Kunsthalle Karlsruhe erworben, ohne von der Zwangsversteigerung zu wissen.

Das Land Baden-Württemberg hat den Nachkommen des jüdischstämmigen Verlegers Rudolf Mosse aus Berlin ein Gemälde von Carl Blechen (1798-1840) zurückgegeben.

Das Kunstwerk war kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zwangsversteigert worden. Es dürfe vorerst leihweise in der Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe bleiben, teilte das Kunstministerium mit.

Der Förderkreis der Kunsthalle versuche, Gelder für einen Rückkauf zusammenzubringen. Allerdings sei noch offen, ob die Erbengemeinschaft einem Verkauf oder einer weiteren Nutzung als Leihgabe zustimme, sagte Provenienzforscherin Tessa Rosebrock.

Das Werk gehörte zur umfangreichen Kunstsammlung von Mosse (1843-1920), der unter anderem das liberale Berliner Tageblatt herausgab. 1934 wurde seine Sammlung von mehr als 300 Kunstwerken versteigert, ohne dass seine Familie etwas von dem Erlös erhielt.

Zuvor war seine Tochter und Erbin Erna Felicia Lachmann-Mosse von den Nazis gezwungen worden, die Werke an eine Stiftung zu überführen. Das Land Baden-Württemberg kaufte das Ölgemälde von Blechen 1969 für die Kunsthalle Karlsruhe an, ohne von der Zwangsversteigerung zu wissen.

Hunderte Kunstwerke werden noch gesucht

Rosebrock sagte, sie sei durch eine Anfrage der US-Anwaltskanzlei der Erbengemeinschaft auf das Bild aufmerksam geworden. Dass es sich bei dem Gemälde um NS-Raubkunst gehandelt habe, sei zuvor nicht aufgefallen, weil die Sammlung von einer Stiftung verkauft worden war.

Zudem habe es sich um einen sehr frühen Fall einer Zwangsversteigerung aufgrund rassischer Verfolgung gehandelt. Der Verleger Mosse besaß eine der bedeutendsten Kunstsammlungen in der Weimarer Republik. Mehrere Hundert Kunstwerke werden noch gesucht. Erst im Februar hatte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz acht Kunstwerke an die Nachfahren von Mosse zurückgegeben.

© SZ vom 11.08.2015/pak

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