Es gibt in Deutschland eine Literatur, die ohne das öffentliche Wirken ihrer Autoren nicht denkbar ist – eine Art Akademie-der Künste-Panel-Belletristik, in die gewissermaßen das intellektuelle Profil des Autors eingepreist wird. Dementsprechend findet sich in diesen Büchern eine Fülle von Gegenwartsereignissen, vorzugsweise solchen, die noch im Gang sind. Angereichert wird all dies durch persönliche Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, der sich zudem grob und flüchtig ein Protagonisten-Team zusammenbastelt, das er eher moderiert, anstatt es in ein erzählerisches Unternehmen zu schicken. Dies ist auch schon halbwegs die Beschreibung von Navid Kermanis neuem Roman „Sommer 24“.
LiteraturGuter Mann, schlechtes Buch
Lesezeit: 5 Min.

In Navid Kermanis Zeitroman „Sommer 24“ ist der Autor selbst der von der Gegenwart gequälte Ich-Erzähler – und stets darauf bedacht, bloß ja keinen Abgrund aufzutun. Es ist ein großer Jammer.
Von Hilmar Klute
