Naher Osten Sticken gegen Israel

PLO-Führer Yassir Arafat spricht bei einer Sitzung des palästinensischen Nationalrats am 15. November 1988, auf der Palästina als unabhängiger Staat ausgerufen wurde.

(Foto: The LIFE Images Collection/Getty)
  • In Birzet im Westjordanland steht das palästinenische Nationalmuseum.
  • In der ersten Ausstellung mit dem Thema "Jerusalem" gab es erwartbare Propaganda. Die zweite Ausstellung rückt jetzt aber die Schicksale palästinensischer Näherinnen in den Fokus.
  • Sie erzählt die Geschichte der Stickereien in Palästina als eine Geschichte von kämpferischen Frauen.
Von Alexandra Föderl-Schmid

Hin und wieder gibt es braune Hinweisschilder. Als die Häuser immer weniger und die Asphaltflecken auf der Straße immer spärlicher werden, bleibt Mahmud Abu Hasna lieber stehen. Der Taxifahrer fragt Studenten, die zur Universität Birzeit eilen, nach dem Weg. Erst beim dritten hat er Glück, das palästinensische Nationalmuseum ist nur noch wenige Hundert Meter entfernt. Das imposante Gebäude des irischen Architekten Heneghan Peng schmiegt sich hinter dem Unicampus in die hügelige Landschaft.

Eigentlich ist Ramallah das politische und kulturelle Zentrum des Westjordanlands. Aber weil hier, 15 Kilometer entfernt, mehr Platz war, wurde der Bau am Rande von Birzeit aus dem Boden gestampft, mit reichlich Grünfläche rundherum und vielen Parkplätzen, die leer stehen. Es geht nicht nur um einen Bau mit Ausstellungsfläche, sondern um sehr viel mehr: Das Museum "soll die Identität des palästinensischen Volkes präsentieren und der ganzen Welt mitteilen: Wir sind hier und werden weiterhin hier sein, um unseren unabhängigen Staat zu errichten", sagte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas bei der Eröffnung im Mai 2016.

Von einer Staatsgründung ist Palästina noch weit entfernt

Es ist ein Nationalmuseum für ein Volk ohne Staat, der vor genau 30 Jahren, am 15. November 1988, von der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Algier ausgerufen wurde. Die Palästinenser begehen an diesem Tag ihren Nationalfeiertag. 137 Länder haben den Staat Palästina inzwischen anerkannt, dessen Gründer das von Israel 1967 besetzte Westjordanland und den Gazastreifen mit Ostjerusalem als Hauptstadt beanspruchen.

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Während man der Staatsgründung noch keinen Schritt nähergekommen ist, gibt es nach zwanzig Jahren Planung und drei Jahren Bauzeit immerhin dieses Museum. Nach der Eröffnung stand der 25 Millionen Euro teure Bau, der weitgehend von privaten Geldgebern finanziert wurde, erst einmal leer - 15 Monate lang. Wegen des Konzeptstreits hatten der erste Museumsdirektor und mit ihm gleich mehrere Mitarbeiter kurz vor dem Start gekündigt.

Die erste Ausstellung war die übliche Propaganda

Das Museum soll viele Ansprüche erfüllen, wie Menschenrechtsaktivistin Reem Abdul Hadi erklärt: "In diesem Museum soll sich alles um die Identität der Palästinenser drehen. Inzwischen haben wir die vierte und fünfte Generation, die nicht weiß, was Heimat wirklich bedeutet und für die der Begriff nur eine Idee ist."

Die erste, im August 2017 eröffnete Ausstellung beschäftigte sich mit Jerusalem. Sie sollte den Anspruch auf die Hauptstadt untermauern - was auf erwartbare Weise in der oft üblichen Propagandaform passierte. Die zweite Schau, die bis 31. Januar zu sehen ist, trägt den Titel "Werke der Liebe: neue Annäherungen an palästinensische Stickarbeiten". Identitätsfindung durch Stickereien? Was nach einer langweiligen Darbietung von Handarbeitsstücken klingt, entpuppt sich als höchst politische Auseinandersetzung und als lehrreich über die Emanzipationsentwicklungen der Palästinenserinnen. Es wird deutlich, wie wichtig der Verkauf dieser Stickereien für die Frauen war und ist, damit sie in dieser patriarchalisch geprägten Gesellschaft ihr eigenes Geld verdienen können.