Nacktaktionen der Femen Provokationen sehen anders aus

Der Bengel und die pflichtbewusste Mutter - was für ein langweiliges Typenrepertoire für eine ganze Gesellschaft. Was ist aus den Rollenmodellen jenseits von Philipp Rösler und Angela Merkel geworden? Gebraucht wird ebenso der gestandene ältere Landesvater, der immer die richtigen Worte findet und nicht in der erstbesten Krise zurücktritt. Oder eine 29-jährige Junge Union-Funktionärin und Notariatsangestellte wie Zana Ramadani, die in ihrer Freizeit bei Femen völlig sorglos blankzieht.

Das ist ja das Schöne an der Pubertät: Wann sonst kann man es einmal allen zeigen und dem Elend der Welt gleich mit? Und wenn das "Get topless and win"-Gebrüll nur dazu dient, Büroarbeiterinnen zu verwirren, die halbstündig kontrollieren, ob der BH-Träger noch schön unsichtbar sitzt - damit sie auch optisch als das durchgehen, was sie im allzu maskulinen Umfeld nur sein dürfen: Männer zweiter Wahl.

Femen gelingen keine Impulse

Wie sich allerdings mit der Maxime von der ewigen Pubertät das Land und die Welt von heute und morgen gestalten lassen, bleibt fraglich. Vielleicht sollte man einfach Protestformen und Habitus der Jugend den echten Teenagern überlassen, Jungen wie Mädchen, anstatt ihnen ständig auch noch das Letzte streitig zu machen, was nur ihnen gehört.

Und sich stattdessen um Politik jenseits der Kraftgesten kümmern und Impulse erfinden, die Veränderungen in Gang setzen. Das gelingt Femen nicht: Islamisten fühlen sich in ihrem Weltbild bestätigt, muslimische Feministinnen sind beleidigt, die westliche Öffentlichkeit konsumiert achselzuckend einige Oben-Ohne-Bilder mehr. Alles bleibt wie es ist und der Busen darf einmal wieder kein Selbstzweck sein.

Eine fruchtbarere Provokation wäre es, im deutschen Fernsehen eine kopftuchtragende Nachrichtenmoderatorin oder Chefredakteurin einzustellen. Die könnte sich dann all die routinierten Bildermacher und Klischeeschleuderer einmal zur Brust nehmen.