Nachwuchsförderung:Mit Soul zum Sieg

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Victoryaz gewinnt im Feierwerk den "Sprungbrett Bandcontest"

Von Hanna Emunds, München

Eine Menschentraube hat sich schon vor dem Eingang des Hansa 39 gebildet. Zigarettenrauch liegt in der Luft, Bierflaschen wandern durch Hände. In einer halben Stunde beginnt hier das Finale des "Sprungbrett Bandcontests", ins Leben gerufen durch die Feierwerk-Fachstelle Pop und finanziell unterstützt vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Unter die vielen jungen Gesichter mischen sich auch einige Erwachsene. Skinny Jeans und Jutebeutel stehen neben Cowboyhüten und Lederhosen. Traditionell bestreiten das Finale vier Münchener Bands, die sich in einer Reihe von Vorentscheiden gegen zwölf Konkurrenten durchgesetzt haben. In diesem Jahr haben es die Sellout Boys, Quirinello, Color Comic und die Sängerin Victoryaz mit Band geschafft. Mit einer Anschubfinanzierung von 1500 Euro bekamen alle vier die Grundlage für eine Studioproduktion und die Gestaltung von eigenem PR-Material.

Den Abend eröffnen die Jungs von Sellout Boys. Dreißig Minuten haben sie, um die Menge von sich zu überzeugen. Schnelle Gitarrenriffs, ironische Texte, immer wieder werden die Stimmen durch Auto-Tune verzerrt. Sie selbst bezeichnen ihre Musik gerne als "Kommerzpunk" direkt von Münchens Straße, mit deutlichen Einflüssen von Musikern wie Yung Hurn. Dem Publikum gefällt's, alle tanzen, singen, feiern. Nach zwanzig Minuten Umbauphase steht die nächste Band in den Startlöchern. Quirinello machen soliden Indie-Pop, der an heiße Sommertage am See denken lässt, an eiskalte Zitronenlimo und den ersten Liebeskummer. Nächster Programmpunkt: Victoryaz. Die 22-jährige Victoria hat den Saal mit ihrer souligen Stimme voll im Griff. Irgendwo zwischen Adele und Amy Winehouse, entwickelt sie doch ihre eigene Persönlichkeit, rauchig und immer ein bisschen belegt. Ihre Texte sind sehr intim: "Ich schreibe nur Persönliches, sonst fühl ich's nicht." Die Harmonie zwischen der Sängerin und ihrer Band ist an diesem Abend unübersehbar und macht den Auftritt noch sympathischer. Wiedererkennungswert? Hoch. Den letzten Auftritt bestreiten die Jungs von Color Comic. Mit ihrem Insel-Indie-Sound versetzen sie das Publikum von der ersten Note an in die Südsee unter Palmen. Drums und Basslines sind ein Aufruf zum Tanzen, dem das Publikum nur allzu gerne folgt.

Auch wenn jede Band auf ihre Art einzigartig war, dass man sich gar nicht wirklich entscheiden möchte, muss am Ende doch ein Gewinner gewählt werden. Das Publikum stimmt auf Zetteln mit den Schulnoten von eins bis sechs ab. Alle Künstler versammeln sich zur großen Verkündung auf der Bühne und warten Arm in Arm auf das Ergebnis der Auszählung: Band des Jahres ist - kurze Pause - Victoryaz. Und das mit deutlichem Abstand zu den anderen. Das Publikum scheint das erwartet zu haben, alle jubeln, applaudieren. Sie selbst wirkt sichtlich überrascht. "Ich mach eigentlich einfach immer überall mit, wo ich singen kann", sagt sie selbst über ihre Motivation, beim "Sprungbrett Bandcontest" teilzunehmen. Vielleicht war es gerade diese Unbeschwertheit, dieser pure Spaß an der Musik, der ihr am Ende den Sieg beschert hat. Wer noch nicht genug hat von den Finalisten: Vom 25. Juli bis zum 18. August spielen sie alle auf dem Theatron-Festival im Münchener Olympiapark.

© SZ vom 15.07.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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