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Nachruf:Zungengischt

"O, eröffne diesen Tag, Omeros, mit dem Muschelhornklang": Derek Walcott (1930-2017).

(Foto: Isolde Ohlbaum)

Er hat Homer in die Karibik entführt: Am Freitag ist der große Dichter Derek Walcott, Nobelpreisträger des Jahres 1992, auf St. Lucia gestorben.

Die ideale Stadt war für Derek Walcott eine glühende Schale, ein Gefäß aus Türmen, Glas- und Betonbauten, umgeben von Palmen, durchzogen von Sprachen und Formen. Tauben kreuzen "in alphabetischen Mustern" über den Himmel. Und auch, wenn die Docks vom Rauch verdunkelt werden und zwischen den Bäumen gefleckte Wohnblocks hervorstechen, sind die Hinterhöfe strahlend, und die Leere stellt einen eigenen Wert dar. Es war eine karibische Stadt, von der Derek Walcott träumte. So wie Port of Spain, Metropole der Antillen, Hauptstadt von Trinidad und Tobago, ein "Innenstadt-Babel", wie er einmal schrieb, "aus Ladenschildern und Straßen, bastardisiert, polyglott, ein Ferment ohne eine Geschichte, wie der Himmel".

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