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Nachruf:Querlandein

Director Dick Richards and Burt Reynolds pose at the Union Plaza Hotel-Casino during filming of the movie ÒHeatÓ in Las Vegas

Burt Reynolds im Jahr 1986 in Las Vegas.

(Foto: Wolf Wergin/Reuters)

Zum Tod von Burt Reynolds, der der Redneck par excellence des amerikanischen Kinos war - aber immer mit ironischem Beiklang und schauspielerischer Intelligenz.

Von Fritz Göttler

Die wirklich große Nummer hat er nie hingekriegt. Er hat James Bond abgesagt, als Sean Connery den Job aufgegeben hatte, und "Die Hard", der dann Bruce Willis berühmt machte, und weil er schon für den Redneck-Film "Stroker Ace" (deutscher Titel "Der rasende Gockel") sich verpflichtet hatte, musste er 1983 den Garrett ablehnen, den fürsorglichen Freund von Shirley MacLaine in "Terms of Endearment/Zeit der Zärtlichkeit" von James L. Brooks. Jack Nicholson hat die Rolle dann gespielt und den Nebendarsteller-Oscar dafür bekommen. Reynolds' frühere mögliche Oscar-Chancen, so munkelt man, für sein cooles Spiel in "Deliverance/Beim Sterben ist jeder der erste", habe er bei der prüden Academy verspielt, weil er sich fürs Centerfold der Zeitschrift Cosmopolitan abbilden ließ, nackt auf einem Bärenfell. Eine große Karriere im Irrealis? Seine ursprüngliche Absicht, ein Footballprofi zu werden, musste er wegen einer Knieverletzung aufgeben.

Seine reale Karriere war dann aber doch immer voll dynamisch und lustvoll, und selbstbewusst. Mehr als 180 Rollen verzeichnet seine Filmografie, er hat alles gemacht, Kino und Fernsehserien und Talkshows, Sprecher für Animationsfilme und Videogames. Nicht so erfolgreich war er als Unternehmer, als Restaurateur.

In den Siebzigern und frühen Achtzigern war er einer der erfolgreichsten Hollywoodstars, die Kritik hat meistens die Nase gerümpft über ihn. Er war der Redneck par excellence, hinterwäldlerisch, draufgängerisch, protzig, angetrieben vom Glauben an die eigene Unwiderstehlichkeit. Rednecks in den Siebzigern, das ist überhaupt nicht zu vergleichen mit den Rednecks heute in Trump Country. Reynolds war Whiskeyschmuggler, Frauenanmacher, Querland-Rennfahrer. Er war der king of the road movies.

Burt Reynolds hatte einen geschmeidigen Körper - er machte viele seiner Stunts selber - und eine große schauspielerische Intelligenz. Seine Redneck-Nummer hat immer einen doppelten Rand, einen ironischen Beiklang, früher und stärker als der Kollege Clint Eastwood, der sich ein wenig schwer tat mit seinen road movies wie "Every Which Way But Loose". Eastwood war damals daran, sich als Regisseur aufzubauen und als Cineast. Auch Reynolds hat bei einigen seiner Filme die Regie übernommen. Gemeinsam spielten die beiden in "City Heat", Drehbuch Blake Edwards.

Einer der schönsten Reynolds-Filme ist "The Longest Yard" von Robert Aldrich. Reynolds ist ein aufgekratztes Arschloch, ein Ex-Quarterback, gefeuert, weil er ein Footballspiel manipulieren wollte. Er schnappt sich eines Nachts den Wagen seiner Freundin und liefert sich ein Rennen mit der Polizei. Im Gefängnis muss er durch einen mühsamen Läuterungsprozess, er soll ein Footballteam aufstellen, das gegen die Wärter antritt - und es verlieren lassen. Der Sadismus des Spiels potenziert durch den Sadismus des Knasts. "Ein heller Kopf" , sagte Robert Aldrich über seinen Star, "ein Mann, der seinen fälligen Teil gezahlt hat". Er hat mit ihm gleich einen zweiten Film gemacht, "Hustle/Straßen der Nacht", Reynolds als Cop in Los Angeles, der es mit dem Callgirl Catherine Deneuve zu tun kriegt. Der tollste Film über moderne Entfremdung, der ohne Method-Actors-Aura auskommt.

Mit "Boogie Nights" ist Burt Reynolds dann zu seiner Oscar-Nominierung gekommen, als weiser weißhaariger Pornoregisseur. Ende September sollte er im neuen Film von Quentin Tarantino spielen, "Once Upon a Time in Hollywood". Am Donnerstag ist Burt Reynolds im Alter von 82 Jahren gestorben.

© SZ vom 08.09.2018
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