Nachruf Otto Weiß gestorben

Als Historiker studierte er den Katholizismus. Seine Arbeiten gefielen jedoch nicht allen: Kirchenhistoriker ziehen ihn der Nestbeschmutzung.

Von Rudolf Neumaier

Als Geschichtswissenschaftler, der von Karl Bosl in München promoviert wurde, widmete sich Otto Weiß schnell dem Katholizismus. Die Mutter hatte ihn in eine geistliche Laufbahn gelenkt, er trat in den Redemptoristen-Orden ein. In seiner autobiografischen Erzählung "Stationen meines Lebens" schildert er, wie er dann eine Frau kennenlernte, sein Priestertum aufgab und dem Katholizismus treu blieb - gerade als Forscher. Die Kirchenhistoriker ziehen ihn der Nestbeschmutzung und einer "verräterischen Sprache", weil Weiß' Studien gerade zum Ultramontanismus ihre Kirche nicht im günstigsten Licht erscheinen ließen. Die Redemptoristen aber unterstützten Weiß weiterhin - auch als seine Frau früh starb und er seine wissenschaftliche Arbeit als alleinerziehender Vater fortsetzte. Er analysierte in mehreren Büchern und zahlreichen Aufsätzen den Kulturkatholizismus um 1900, den Geisterglauben in der Kirche sowie Modernismus und Antimodernismus bei den Dominikanern. Die heutige Generation von Kirchenhistorikern zollte Otto Weiß mit einer Festschrift zum 80. Geburtstag größte Wertschätzung. Mit 82 Jahren ist dieser einzigartig taktvolle Gelehrte am 3. August in der Nähe von Klagenfurt gestorben.