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Nachruf:Liebenswürdig

Helmut Nieberle wurde 1956 in Kaufbeuren geboren. Inspiriert von Django Reinhardt wandte er sich der Gitarre zu. Neben seiner Arbeit als Musiker in diversen Gruppen und Projekten war Nieberle auch als Gitarrenlehrer tätig.

(Foto: privat)

Der Regensburger Jazzgitarrist Helmut Nieberle ist tot

Von Oliver Hochkeppel, Regensburg

Dass Regensburg eine Hauptstadt der Jazzgitarre ist, hat viel mit Helmut Nieberle zu tun. Dort hat der 1956 in Kaufbeuren geborene Saitenstreichler mit der Prinz-Eisenherz-Frisur Heerscharen von Schülern unterrichtet, von denen viele selbst Profis wurden wie Paulo Morello, mit dem er oft auftrat. Von dort aus unterhielt er mit Helmut Kagerer jahrzehntelang Deutschlands bestes Gitarrenduo, wie auch das Duo Voice & Strings mit dem Sänger Axel Prasuhn und seine Gypsy Swing Band Cordes Sauvage. Django Reinhardt hatte Nieberle Anfang der Siebzigerjahre so fasziniert, dass die Gitarre sein Beruf wurde. Ein Barney-Kessel-Konzert ließ ihn wenig später die Tradition der amerikanischen Jazz-Gitarre erforschen, mit Amerika-Reisen und Workshops bei Größen wie Joe Pass oder Jim Hall. Auch um südamerikanische Elemente erweiterte sich seine Stilistik, seit er vorzugsweise die Siebensaitige spielte. Immer strahlte sein Spiel Liebenswürdigkeit und einen verschmitzten Humor aus, ganz wie es seiner Persönlichkeit entsprach. Am Samstag ist Nieberle 64-jährig an Knochenmarkskrebs gestorben.

© SZ vom 11.02.2020

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