Nachruf:Immer ein Mensch

Nachruf: Der Schauspieler Alfred Kleinheinz (1950 – 2018) spielte von 1993 bis zuletzt am Münchner Residenztheater.

Der Schauspieler Alfred Kleinheinz (1950 – 2018) spielte von 1993 bis zuletzt am Münchner Residenztheater.

(Foto: Joerg Reichardt)

"Die großen Rollen sind nicht immer die dankbarsten", sagte der Schauspieler Alfred Kleinheinz. Dafür machte er die kleinen Rollen ganz groß. Seit 1993 bis zuletzt spielte Kleinheinz am Münchner Residenztheater. Jetzt ist er im Alter von 68 Jahren gestorben.

Von Egbert Tholl

In seiner letzten Rolle am Münchner Residenztheater trat der Schauspieler Alfred Kleinheinz dem Zuschauer ganz allein gegenüber, hustete, ächzte und entwarf flamboyant verrückte Ideen. Er war für diesen Moment Karl Valentin, in Bernhard Mikeskas Stück "Playing::Karlstadt", einer Annäherung an die Kabarettistin Liesl Karlstadt in Eins-zu-eins-Situationen. Dass man dabei allein auf Alfred Kleinheinz traf, war ein Geschenk. Weil Kleinheinz vor allem immer ein Mensch war, kein in Kunstgefilde wegschwebender Tragöde, ein schlauer, freundlicher, lustiger, ungemein bescheidener und ja, auch sehr schöner Mensch. Sein Valentin hatte große Pläne mit der Karlstadt und sagte einen Satz, der könnte von Kleinheinz stammen, nämlich dass gegen das, was er vorhabe, "die durchgesägte Jungfrau" ein Pumpernickel sei.

Alfred Kleinheinz, geboren 1950 in Innsbruck, hatte sich seine Herkunft bewahrt. 15 Jahre lang machte er neben seinem Beruf als Stuckateur Laientheater, debütierte 1989 in der "Möwe" in Hannover, ging mit dem Intendanten Eberhart Witt 1993 ans Bayerische Staatsschauspiel, wo er bis zuletzt spielte. Hinzu kamen Ausflüge zum Tiroler Volksschauspiel in Telfs oder zum Film wie in "März", dem Debütfilm von Händl Klaus. Kleinheinz sagte einmal, "die großen Rollen sind nicht immer die dankbarsten". Die kleinen machte er groß: den Bruder Tuck in "Robin Hood", den Folterknecht in "Balkan macht frei" von Oliver Frljic, die Großmutter in "Bernarda Albas Haus". Er mochte auch das Krasse, ohne es auszustellen. Nun ist er gestorben, wieder einer, der fehlt.

© SZ vom 23.07.2018
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