Nachruf Hans Günther Pflaum

Zum Tod des SZ-Filmkritikers

Von Tobias Kniebe

Wenn man Hans Günther Pflaum in den Filmkritiker-Runden der Süddeutschen Zeitung erlebte, begegnete man einem großen Schweiger. Er war seit Anfang der Siebzigerjahre im SZ-Team, hatte alles gesehen, den ganz jungen Rainer Werner Fassbinder mit durchgesetzt, sich für Herbert Achternbusch in die Bresche geworfen, dem Debütanten Jim Jarmusch eine große Zukunft prophezeit. Wenn er also die Pfeife aus dem Mund nahm, um einen seiner knappen Einwürfe zu machen, hatte sein Wort Gewicht. Dann forderte er mehr Platz für den großen Iraner Abbas Kiarostami, der damals am Anfang seiner Weltkarriere stand, machte unglaublich kundige Anmerkungen zur irischen Literatur oder stutzte den Mainstream auf die richtige Größe zurecht.

So wurde Pflaum, Jahrgang 1941, ein Kämpfer für das Besondere, für die Unangepassten und die Träumer. Davon künden auch seine zahlreichen Bücher und Film-Dokumentationen, genauso wie seine Arbeit in der deutschen Filmpolitik. Ein Film wie "Titanic" dagegen konnte ihn in seiner Rezension wenig beeindrucken - auch wenn der danach alle Rekorde brach.

Legendär war in der Redaktion sein Cottage in Irland, in das er jedes Jahr für Wochen zum Angeln entschwand, und die Mengen an Lachs, die er von dort wieder mitbrachte. Am Mittwoch hat Hans Günther Pflaum seinen langjährigen Kampf gegen den Krebs verloren. Wir trauern um einen Kollegen, der diese Zeitung über fast vierzig Jahre mitgeprägt hat.