Nachruf Hans Bender ist gestorben

Prosaautor und Lyriker, Zeitschriftenredakteur, Herausgeber und Anthologist: Hans Bender (1919-2015).

(Foto: Regina Schmeken)

Er war eine der Schlüsselfiguren der deutschen Nachkriegsliteratur, ein Mann der kleinen Formen, der Kurzgeschichte und des Essays. Nun ist Hans Bender 96-jährig gestorben.

Von Lothar Müller

Memoiren hat er nie geschrieben, obwohl er reichlich Stoff dazu gehabt hätte. Sein Terrain war die kleine Form, auch darin ließen sich Andeutungen auf das eigene Leben unterbringen. Eines der "Gedichte in vier Zeilen", denen er sich im Alter zuwandte, heißt "Jahrgang 1919": "Nicht gefallen / Nicht ungehorsam gewesen zu sein. / Und weiterzuleben / Mit dieser Schuld". Nach fast einem Jahrzehnt Krieg und sowjetischer Gefangenschaft kam Hans Bender 1949 wieder in Deutschland an.

Den Beginn der Gruppe 47 hatte er verpasst, aber er wurde zu einer der Schlüsselfiguren der deutschen Nachkriegsliteratur. Mit seinen Kurzgeschichten, in denen sibirische Wölfe den Frieden wittern, mit seinem Roman "Wunschkost" über den Krieg im Osten, mit seinen Anthologien ("Mein Gedicht ist mein Messer", 1955), als Zeitschriftenredakteur, der 1952/53 die Konturen und von 1954 an gemeinsam mit Walter Höllerer im Hanser Verlag die Akzente herausgab. Zu Gedicht und Essay, den kleinen Prosaformen, gehörte darin die Kritik, in den Akzenten erschien Adorno, begannen Walter Boehlich und Joachim Kaiser zu publizieren.

Seit 1959 lebte Hans Bender in Köln. Als Redakteur der Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung war er an den Rhein gekommen, ab 1962 war er Chefredakteur von magnum, der "Zeitschrift für modernes Leben" und Fotografie. Bender schlug Brücken zur bildenden Kunst in Köln und Umgebung, zu Happening und Fluxus um Vostell & Co., zur Musik. Er arbeitete mit der Geduld eines Gärtners am Geflecht der Nachkriegsliteratur, ohne Rücksicht auf Generationengrenzen, ging mit Heinrich Böll um wie mit Hubert Fichte, Rolf Dieter Brinkmann oder F.C. Delius. Einem Rat Heinrich Bölls folgend, hat Hans Bender sein gut 27 000 Dokumente umfassendes Privatarchiv schon 1987 in das Historische Archiv der Stadt Köln gegeben, mit dessen Einsturz Anfang März 2009 wurde ein Teil des Flechtwerks unsichtbar.

Das Motto Benders formuliert einer seiner Buchtitel: "Ich schreibe kurz" (1996). Seine Prosa und seine Lyrik leben vom genauen Hinschauen auf Details, vom Hineinhorchen in Zwischenräume. Seine Herkunftslandschaft, den Kraichgau mit seinen Tabakschuppen und Tabakfeldern hat er nie vergessen. Davon zeugen Gedichte wie "Das Tabakfeld" oder der Vierzeiler in "Wie es kommen wird" (2009), der den Aufstieg der TSG 1899/Hoffenheim in die Erste Bundesliga feiert.

Die Frage "Gibt es noch Engel?" beantwortete er so: "Ich hätte nichts dagegen,/ schwerelos wie sie mich zu bewegen. / Mit ihnen zu musizieren, zu singen. / Mit ihnen mich schlafen zu legen." Am Donnerstag ist Hans Bender gestorben. Er wird in einem Ehrengrab in seiner Heimatgemeinde Mühlhausen im Kraichgau beigesetzt.