Nachruf: Evelyn Hamann:"Sie war tatsächlich fabelhaft"

Lesezeit: 3 min

Ein Millionenpublikum erreichte die wandlungsfähige Schauspielerin auch mit Fernsehserien wie "Das Traumschiff", "Der Landarzt" oder den Krimi-Reihen "Der Alte" und "Tatort". Als Haushälterin Carla Michaelis in der Serie "Die Schwarzwaldklinik" an der Seite von Prof. Brinkmann (Klausjürgen Wussow) spielte sie sich endgültig in die Herzen der Nation.

Immer wieder verstand sie es dabei, durch ihre Rollen auch auf humorvolle Art gesellschaftliche Missstände anzusprechen, so etwa die Misere älterer Menschen im ZDF-Mehrteiler "Kein pflegeleichter Fall". Als große Auszeichnung wertete die Mimin die Specials, die ihr das ZDF regelmäßig widmete, beginnend 1987 mit der Sendung "Evelyn und die Männer". Loriot schrieb eine Episode für diese Szenenfolge und übernahm auch die männliche Hauptrolle.

Daneben stand Hamann auch wieder vermehrt auf den Theaterbrettern. Nach den Erfolgen des Stückes "So bin ich nun mal" von D. R. Wilde und des Soloabends "Frauen - gesehen von Loriot, Karl Valentin, Kurt Tucholsky und Wilhelm Busch", bestritt Hamann eine große Tournee mit den "Katzengeschichten" von Patricia Highsmith. Die Lesung erschien auch als CD und Hörbuch. Mit Tschechows "Die Dame mit dem Hündchen" und Programmen zur Weihnachtszeit, darunter Lyrik und Prosa von Rilke, Andersen und Lindgren, ging sie auch als über 60-Jährige noch auf Tournee.

Von 1993 bis 2005 schlüpfte sie in der ZDF-Reihe "Geschichten aus dem Leben" in immer neue Hauptrollen und begeisterte ihre Fans. Auch in der ARD war sie ab 1992 mit der Titelrolle in zahlreichen Folgen von "Adelheid und ihre Mörder", einem "ungewöhnlichen Schmunzelkrimi" (SZ, 9.8.1992), als skurrile Hobby-Detektivin auf dem Bildschirm vertreten und wurde geradezu zur Kultfigur.

Zu ihrem 60. Geburtstag strahlte die ARD am 5. August 2002 eine große Gala aus, an der sich neben Vicco von Bülow viele weitere Weggefährten beteiligten, darunter Ulrich Tukur und die "Rhythmus Boys".

In insgesamt über 200 Rollen zielte Hamann auf die Lachmuskeln ihrer Fans und überraschte sie mit großer Wandlungsfähigkeit. Im Laufe ihrer Karriere wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und der Goldenen Kamera.

Zur SZ-Startseite