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Nachruf: Evelyn Hamann:"Sie war tatsächlich fabelhaft"

Sie war eine der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands und wird nicht nur als Partnerin von Loriot unvergesslich bleiben. Die Hamburger Schauspielerin starb im Alter von 65 Jahren.

Die beliebte Schauspielerin Evelyn Hamann ist tot. Das teilten engste Freunde der Deutschen Presse-Agentur dpa mit. Sie starb in der Nacht zu Montag im Alter von 65 Jahren nach schwerer Krankheit im Kreis ihrer Angehörigen. Die Komödiantin Hamann, die zurückgezogen in Hamburg lebte, wurde dem Publikum besonders als Loriots Partnerin in zahlreichen Sketchen bekannt. "Sie war tatsächlich fabelhaft", schwärmte Loriot noch vergangene Woche in Berlin.

Evelyn Hamann im Dezember 2003 in Hamburg.

(Foto: Foto: dpa)

Evelyn Hamann wurde am 6. August 1942 in Hamburg als Tochter des Musikers Bernhard Hamann, Konzertmeister des NDR-Sinfonieorchesters und Gründer des berühmten "Hamann-Quartetts", und einer Sängerin und Gesangspädagogin geboren. Ihre Schauspielausbildung absolvierte Hamann an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg.

Bereits während ihrer Studienzeit übernahm sie mehrere Nebenrollen im Thalia Theater in Hamburg. Ihr erstes Engagement erhielt sie 1968 am Deutschen Theater Göttingen. Sie spielte dort u. a. in Brechts "Mann ist Mann". 1971 wechselte sie an die Städtischen Bühnen Heidelberg, wo sie mit Jürgen Prochnow auf der Bühne stand.

Von dort zog es sie bereits nach zwei Jahren wieder zurück in den Norden an das Theater der Freien Hansestadt Bremen. Hamann verkörperte dort bis zu ihrem Ausscheiden im Jahre 1979 große Rollen wie "Die Alte" in dem Ionesco-Drama "Die Stühle", die Marthe Schwerdlein in Goethes "Urfaust" und die geplagte, gutbürgerliche Hausfrau in Dario Fos/Franca Rames "Nur Kinder, Küche, Kirche".

Prägend für die weitere Karriere der Schauspielerin war 1976 bei Radio Bremen die Begegnung mit Vicco von Bülow alias Loriot. Er hatte zwar eine Partnerin gesucht, die dem Typ "blonde, pummelige Hausfrau" entsprechen sollte, ließ sich dann aber doch durch das komische Potential Hamanns überzeugen, die als hagere Brünette geradezu das Gegenteil verkörperte.

Immer wieder zitiert wird Loriots Frage: "Liebe Frau Hamann, wenn Sie auf unsere Kosten mehrere Wochen täglich Schweinshaxen essen, meinen Sie, Sie werden dann fülliger?" An seiner Seite spielte sie von 1976 bis 1979 in der ARD-Serie "Loriot I-VI" jene Rollen, die sie bekannt und berühmt gemacht haben - mal als penible Sekretärin, mal als von Staubsauger- und Weinvertretern bedrängte Hausfrau. Immer mit jenem tragisch komischen Ernst im Gesicht, der ihr Markenzeichen wurde.

Eine Fortsetzung fand die Zusammenarbeit mit Loriot in den Kinofilmen "Ödipussi" (1988) und "Pappa ante portas" (1991). Höchste Perfektion - an jeder Kopfbewegung, jeder Betonung feilte sie so lange, bis sich die gewünschte Wirkung beim Zuschauer einstellte - machte die Interpretin, deren Sachlichkeit zur preußischen Komik von Bülows passt, besonders glaubwürdig und unfehlbar komisch. Unvergessen ist etwa ihr Auftritt als Fernsehansagerin, die bei der Zusammenfassung einer englischen Familienserie keine Probleme mit dem "th" und zahlreichen Zungenbrechern hat, dann aber beim Wort "Schlips" verzweifelt aus dem Konzept gerät.

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