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Nachruf:Eva Moldenhauer ist gestorben

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Eine der großen Übersetzerinnen aus dem Französischen: Eva Moldenhauer, geboren 1934 in Frankfurt am Main.

(Foto: Privatfoto/Insel)

Kristóf, Semprún: Sie hat große Werke aus dem Französischen übersetzt.

Das Spiegelporträt, das sich bei jedem Übersetzer aus dem Gesamtspektrum der Übersetzungen ergibt, spannt sich bei Eva Moldenhauer zwischen literarischem Spätrealismus und formal verknappter Nachkriegsmoderne im Bannkreis geisteswissenschaftlicher Disziplinverschmelzung. Mit ihrer Sprachpräzision, ihren klaren Rhythmen und gestochenen Bildern hat sie mit weit über hundert Titeln die französische Gegenwartsliteratur zugleich abgebildet und in der deutschen Rezeption wesentlich mitgeprägt. Dabei hatte die 1934 in Frankfurt Geborene ihr Studium mehr auf Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte als auf Romanistik ausgerichtet. Ihr Frankreichinteresse kam allmählich, fand aber mit Claude Simons Erzählung "Das Seil", 1964 einen bedeutsamen Anfang. Fast ein Dutzend Werke Simons sollten es insgesamt werden. Eva Moldenhauer wurde die deutsche Stimme des französischen Nobelpreisträgers.

Wenn sie zunächst vorwiegend wissenschaftliche Bücher von Claude Lévi-Strauss, Mircea Eliade, Paul Ricoeur, Pierre Bourdieu, Roland Barthes übersetzte, lag das nicht zuletzt an der überbordenden Produktivität der Epoche auf jenem Gebiet. Die Frau mit dem roten Bubikopf ist als frühe Vermittlerin des französischen Strukturalismus in die Erinnerung eingegangen. Bald wandte sie sich auch wieder der französischen Gegenwartsliteratur von Claude Simon bis Ágota Kristóf, Jorge Semprún, Pierre Michon oder dem Algerier Rachid Boudjedra zu. Das Herbe, kunstvoll Geraffte bei manchen dieser Autoren vermochte sie ohne Härte ins Deutsche zu bringen, mochten auch die damit einhergehenden Visionen mitunter noch so finster sein. Die abgründige Introspektion in "Das große Heft" von Ágota Kristóf hätte ohne den Mattglanz von Moldenhauers Sprache in Deutschland 1987 kaum das gebührende Echo gefunden. Bei der erst lang nach ihrem Tod in Auschwitz wiederentdeckten Irène Némirovsky bewies sie auch ihr Talent für Üppigkeit und Breite des Erzählflusses, etwa bei dem Romanfragment "Suite française". Am Ostermontag ist Eva Moldenhauer im Alter von 84 Jahren gestorben.