Nachruf Die amerikanische Künstlerin Lutz Bacher ist verstorben

Von Peter Richter

Die Zyklopen dürften in Erinnerung bleiben, die Anfang des Jahres noch zur Wiedereröffnung des K21 in Düsseldorf zu sehen waren. Und zwar schon deshalb, weil es sich bei den von ihr als "Cyclops" betitelten Halbkugeln um verspiegelte 180-Grad-Kameras handelte, die einen ebenso attraktiven wie beunruhigenden Wandschmuck abgeben - und weil sich die Künstlerin, die seit den Siebzigerjahren als Lutz Bacher in Erscheinung trat, selbst jeder Durchleuchtung stets widersetzt hat. Man wusste lange nicht einmal, dass sich hinter dem Pseudonym eine Frau verbarg. Man wusste nur, dass sie aus der experimentellen Kunstszene von Berkeley in Kalifornien kam, später nach New York ging und nirgendwo jemals richtig reinpasste, auch nicht in den Kanon der feministischen Kunst der Siebziger- und Achtzigerjahre. Vielleicht waren ihre Arbeiten mit sarkastisch neu betitelten Playboy-Bunnies und Pornobildern gleichzeitig zu aggressiv und zu heiter dafür. Vielleicht hatte sie es einfach auch doppelt schwer auf einem Kunstmarkt, der genau die Art von Künstlerpersona hofiert, die sie eine Karriere lang dekonstruiert hat. Erst in den letzten Jahren hatte sich der Erfolg eingestellt, nicht zuletzt mit drei Einzelausstellungen in Europa allein im vergangenen Jahr und - nach einer mehr als wechselvollen Galeristengeschichte - mit einer stabilen Repräsentanz durch die Galerie Buchholz. Nun ist die Frau, die Lutz Bacher war, im Alter von 75 Jahren an Herzversagen gestorben.