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Nachruf:Der Mann hinter Bond

THE MAN WITH THE GOLDEN GUN 1974 DIRECTED BY GUY HAMILTON On the set with Christopher Lee, Albert R

Guy Hamilton (Mitte) beim Dreh von "Der Mann mit dem goldenen Colt".

(Foto: imago/AD)

Guy Hamilton war der Prototyp des modernen Blockbuster-Regisseurs. Nun ist der Macher von "Goldfinger" im Alter von 93 Jahren gestorben.

Seinen ersten Auftritt in der Filmgeschichte hatte Guy Hamilton als Schattenmann. Es war das Jahr 1949, der große britische Regisseur Carol Reed drehte den "Dritten Mann" mit Orson Welles, und für die expressionistischen Verfolgungsjagden, die sich da im nächtlichen Wien stattfinden, musste gelegentlich ein Double herhalten. Das übernahm Hamilton, damals Mitte zwanzig, Carol Reeds Regieassistent.

Es war der vielversprechende Beginn einer Karriere, die dann untrennbar mit James Bond verbunden war. Bei vier Bond-Filmen hat Hamilton Regie geführt, und den Anfang machte 1964 gleich ein unsterblicher Klassiker der Serie, "Goldfinger". Nie wieder wurden Sean Connerys Anzüge besser in Szene gesetzt, nie wieder glänzte der Aston Martin so wie hier, die Actionszenen setzten neue Maßstäbe - und der sächselnde Bösewicht Gerd Fröbe brachte Sprüche, die andere Superschurken bis heute alt aussehen lassen.

Hamilton, geboren 1922, war bereits ein etablierter Regisseur, als er diesen Job annahm. Britische B-Movies wie "The Ringer" und Militärgeschichten wie "The Colditz Story" hatten ihm in den fünfziger Jahren bekannt gemacht, und insbesondere "Liebenswerte Gegner", eine Kriegskomödie für den italienischen Produzenten Dino de Laurentiis, begründete seinen Ruf als früher Meister der Actionsequenz. Als James Bond mit "Dr. No" im Jahr 1962 erstmals vor die Kameras trat, hätte Hamilton von Anfang an dabei sein können - das Angebot lag vor. Er lehnte ab, kam zwei Jahre später aber dann doch an Bord.

"Wenn wir Millionen Dollar ausgeben, sollten die auch auf der Leinwand zu sehen sein."

Auf "Goldfinger" folgten zunächst andere Arbeiten für den Bond-Produzenten Harry Saltzman, darunter "Finale in Berlin" mit Michael Caine, bei dem Hamilton agentenmäßig praktisch fremd ging - dies war eine Story um Len Deightons Harry Palmer, der immer die intellektuellere, hornbebrillte Alternative zu James Bond war. Es folgte "Battle of Britain" von 1969, ein All-Star-Epos über die Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg, mit Laurence Olivier als oberstem Luftwaffengeneral. Einer der teuerste britischen Filme der Sixties, der dann aber auch spektakuläre Luftkampf-Sequenzen zu bieten hatte, gemäß Hamiltons Credo als Regisseur: "Wenn wir Millionen Dollar ausgeben, sollten die auch auf der Leinwand zu sehen sein."

Mit diesem Arbeitsethos wurde er dann auch weiterhin gern für James Bond gebucht, zunächst für "Diamantenfieber", bei dem man Sean Connery die Unlust an der Rolle aber schon in jeder Grimasse ansah, und dann, um den Wechsel zu Roger Moore möglichst unfallfrei über die Bühne zu bringen, bei "Leben und sterben lassen". Sein letzter Einsatz für Nullnullsieben kam 1974 bei "Der Mann mit dem goldenen Colt", wo er die Aufgabe hatte, Christopher Lee und seine drei Brustwarzen - das besondere Merkmal des Superkillers Scaramanga - ins rechte Licht zu rücken.

Hohe Budgets, überlebensgroße Helden, Explosionen und Spezialeffekte

Im Grunde war Guy Hamilton ein Pionier. Als Steven Spielberg noch zur Schule ging und verzweifelt Rechtschreibung paukte, legte er bereits den Grundstein für den modernen Blockbuster. Hohe Budgets, überlebensgroße Helden, riesige Stuntteams, Explosionen und Spezialeffekte - das alles in eine gute Geschichten zu packen und dabei nicht den Überblick zu verlieren, war seine besondere Kunst. So wundert es nicht, dass er 1978 auch "Superman" mit Christopher Reeve drehen sollte, den ersten großen Superheldenfilm. Das scheiterte in letzter Sekunde, ebenso Warners Plan, ihn Ende der achtziger Jahre für den ersten "Batman" zu gewinnen.

Aber man denkt daran bei der Nachricht, dass Guy Hamilton nun im Alter von 93 Jahren in seinem Alterssitz Mallorca gestorben ist. Er konnte noch erleben, wie dominant seine besondere Art des Kinos heute geworden ist - und dass die Filmstudios inzwischen praktisch von jedem Großregisseur verlangen, eine Art Guy Hamilton zu sein.