Nachruf Der Jazzmusiker Wilton Felder ist gestorben

Mit den "Crusaders" prägte er den Klang des Souljazz und spielte Hits wie "Street Life". Im Studio spielte er für Billy Joel und Joni Mitchell E-Bass.

Von Andrian Kreye

Mit dem warmen Ton seines Tenorsaxofons erzeugte Wilton Felder die eine Hälfte eines Klangs, der im Souljazz der Sechziger- und dem Jazzrock der Siebzigerjahre so etwas wie ein Markenzeichen wurde. Gemeinsam mit dem Posaunisten Wayne Henderson bildete er die Spitze jenes Quintetts, das sich erst The Jazz Crusaders und später The Crusaders nannte. Felder, der Pianist Joe Sample und der Schlagzeuger Stix Hooper hatten während der Fünfzigerjahre schon auf der High School in Houston zusammengespielt. Als Henderson dazustieß, zogen sie 1960 nach Los Angeles um und nahmen für das Pacific Jazz Label 17 Alben auf, die oft Hits wurden, weil sie zum einen die politischen Realitäten offen ansprachen ("The Freedom Sound") und zum anderen die Strömungen aus dem Rhythm and Blues und dem Soul aufnahmen ("Young Rabbits", "Tough Talk", "Uh Huh").

Randy Crawford besang mit "The Crusaders" die Einsamkeit des Nachtlebens

Zehn Jahre später strichen sie das Wort "Jazz" aus ihrem Namen. Sie wollten mit der Zeit gehen. Joe Sample stieg aufs E-Piano um, der Gitarrist Larry Carlton wurde sechstes Bandmitglied, im Studio spielte Wilton Felder den E-Bass. So spielten sie sich in die erste Reihe der schwarzen Musik. 1974 holte der Boxmanager Don King sie deswegen neben James Brown, B.B. King und Bill Withers für des Zaire-74-Festival nach Kinshasa, das er anlässlich des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Muhammad Ali und George Foreman veranstaltete.

1979 veröffentlichten sie dann ihren größten und auch letzten Hit "Street Life", einen mitreißenden Soulsong über die Einsamkeit in den trügerischen Verheißungen des Nachtlebens, den Randy Crawford mit ihnen sang. Danach verrannten sich die Crusaders in Soloprojekten - und in musikalischen Sackgassen wie ihren Konzerten mit Symphonieorchestern.

Während Joe Sample als wegweisender Pianist gefeiert wurde und Wayne Henderson sich als Produzent etablierte, stagnierte Wilton Felders Solokarriere als Saxofonist im Mittelmaß. Als Studiobassist war er dafür einer der gefragtesten Sessionmusiker, spielte für die Jackson 5, Marvin Gaye, für Billy Joel, Joan Baez und Joni Mitchell. Am vergangenen Sonntag ist er aus bisher unbekannten Gründen gestorben. Er wurde 75 Jahre alt.